WISSENSCHAFT?
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Ein Blick hinter die Kulissen: Interphone-Studie aktuell - Mangelhafter Studiendesign bewirkt Unterschätzung des Hirntumorrisikos
Wie empfindlich reagieren die Gene? Erkenntnisse und Intrigen in einer zentralen Frage der Mobilfunkforschung (Kompetenzinitiative e.V. zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie)
Der Bundesrat ist unkritisch gegenüber der industrienahen Leitungsgruppe des NFP 57 Stellungnahme zur Antwort des Bundesrates auf die Anfrage Teuscher
Korrupte Wissenschaft…. Sonderausgabe des International Journal of Occupational and Environmental Health zum Thema "Korruption der Wissenschaft durch die Wirtschaft"
Wie objektiv sind Experten? Immer noch top-aktueller Bürgerwelle-Newsletter vom 8.2.04 mit einem Zitat von Prof. Erich Schöndorf
Ein Blick hinter die Kulissen:
Interphone-Studie aktuell
Mangelhafter Studiendesign bewirkt Unterschätzung des Hirntumorrisikos
dieses Dokument mit zusätzlicher Liste der Designmängel als pdf-Datei
16.06.2008
Am diesjährigen Treffen der Bioelectromagnetics Society (BEMS) vom 8. bis 12. Juni 2008 in San Diego, Kalifornien, gab ich eine Präsentation mit dem Titel "Interphone Studie aktuell - Untersuchung eines mangelhaften Studiendesigns, das eine Unterschätzung des Hirntumorrisikos zur Folge hat".
Der Kernpunkt des Vortrags bestand darin, dass es im Interphone-Protokoll mehrere Design-Mängel gibt, und jeder dieser Mängel bewirkt eine Unterschätzung des Hirntumorrisikos. Die Untersuchung von 10 Interphone-Studien über das Risiko für Gehirntumor infolge Mobiltelefonnutzung ergab als Folge dieser Mängel 60 statistisch signifikante Einzelergebnisse, die allesamt zeigten, dass die Nutzung eines Mobiltelefons den Benutzer vor Gehirntumor schützt.
Solche Ergebnisse sind schon auf den ersten Blick ein Beweis für das Unvermögen der Studien, die Existenz eines Risikos zu ermitteln. Immerhin ergab sich eine wesentliche Verringerung des "Schutzeffekts" bei den höchsten Strahlungsexpositionen (mehr als 10 Jahre Handynutzung oder Nutzung des Mobiltelefons auf der Tumorseite des Kopfes), wie in der Präsentation gezeigt wurde. Das deutet darauf hin, dass ein erhöhtes Risiko den Designmängeln entgegenwirkt. Wenn man die zwei stärksten Expositionen kombiniert, dann finden die Interphone-Studien durchaus ein Risiko!
Der Erfolg der Präsentation überstieg meine wildesten Vorstellungen. Als ich geendet hatte, gab es Applaus. Ich glaube, dieser Applaus war deshalb, weil ich den Empfindungen vieler Wissenschaftler Ausdruck gab, dass die Forschung auf dem Gebiet der Bioelektrizität von der Industrie vereinnahmt worden ist.
Als die Fragestunde kam, erwartete ich erboste Reaktionen. Aber es kamen keinerlei Fragen, obwohl die "Verdächtigen" (zum Beispiel C.K. Chou, Joe Elder, Joe Morrissey von Motorola und viele weitere Kollegen aus der Industrie) anwesend waren! Ich nehme an, das kam daher, dass die Präsentation unangreifbar war.
Die Interphone-Forscher Joachim Schüz und Maria Feychting sassen gerade hinter mir. Als ich zu meinem Sitz zurückkehrte, sagte ich zu ihnen: "Ich dachte, ihr würdet Fragen stellen." Sie zuckten bloss die Schultern.
Nach der letzten Präsentation (meine war die vorletzte) kam C.K. Chou in seiner üblichen streitlustigen Art zu mir herüber und fragte, ob ich ein Mobiltelefon benütze. Ich sagte "Nein." Da fragte er mich, ob ich einen Mikrowellenofen benütze. Ich sagte: "Ja, aber die sind doch abgeschirmt." Er antwortete, die seien oft undicht. - Offensichtlich versuchte er mich als Heuchler hinzustellen.
Er sagte, Motorola würde niemals etwas tun, das seine Kunden schädigt. Dann fügte er so etwas wie eine Anspielung auf das Huhn und das Ei an (es ergab für mich keinen Sinn) und fuhr weiter, Motorola würde seinen Hühnern niemals Schaden zufügen. Im Weggehen sagte ich, er werde wohl bald viele tote Hühner sehen.
Als ich das Konferenzzentrum verliess, sah ich Joachim Schüz daherkommen. Ich fragte ihn, warum er keine Fragen gestellt habe. Er sagte, nachdem ich ihm einst einen Interessenkonflikt vorgeworfen hätte, habe das jetzt keinen Sinn gehabt. Sich verteidigend fuhr er weiter, dass die Industrie nur 20 % der Kosten seiner deutschen Interphone-Studie gedeckt habe. Ich sagte, ich hätte in meiner Präsentation angedeutet, dass ein vorhandener Interessenkonflikt auch unbewusst bleiben könne. Aber ich stehe zu meiner Aussage, dass das Sprichwort "Beisse nicht die Hand, die dich füttert" auf die Situation zutrifft. Es gehe darum, sagte ich ihm, dass kein einziger Forscher die signifikanten Ergebnisse eines "Schutzeffektes" [durch Handynutzung] diskutiert habe. Das habe er doch aber getan, meinte er. Im weiteren Verlauf des Gesprächs gab er indessen zu, dass er in seiner Studienpublikation nur die möglichen Fehlerquellen (Bias [= systematische Verzerrung] bei der Teilnehmer-Auswahl oder bei der Erinnerung der befragten Teilnehmer usw.) diskutiert, aber die signifikanten "Schutzeffekte" nicht erwähnt habe.
An einem der Vortage hatte Elizabeth Cardis, die Leiterin der in 13 Ländern durchgeführten Interphone-Studie, in der Plenarsession diese Studie vorgestellt. Ihre Präsentation umfasste die bisher veröffentlichten Ergebnisse. Auf die Frage, wann die gesamte Studie herausgegeben werde, sagte sie "Bald... hoffe ich." Sie sagte Louis Slesin, Herausgeber der Microwave News (www.microwavenews.com), dass ein neuer Entwurf in Zirkulation gegeben werde. - Das wäre grossartig, wenn wir die früheren Entwürfe sehen könnten. Offensichtlich gibt es eine interne Auseinandersetzung, ob man die Ergebnisse publizieren solle oder nicht, oder wie man bedenkliche Resultate zum Verschwinden bringen könnte.
Ich fragte Frau Cardis, wieviel die Interphone-Studie insgesamt gekostet habe, und was die Industrie dazu beigetragen habe. Ihre Antwort war: ungefähr 10 Millionen Euros insgesamt und etwa 3.2 Millionen von der Industrie.
Weil sie vor Beginn meiner Präsentation weg musste, diskutierte ich die Sache mit ihr anhand einer Papierkopie. Sie stimmte zu, dass jeder von mir aufgelistete Mangel tatsächlich existiert, und dass jeder dieser Mängel eine Unterschätzung des Risikos zur Folge hat.
Anlässlich ihrer Präsentation hatte Frau Cardis gesagt, die Definition des "regelmässigen Nutzers" [von Mobiltelefonen] sei nicht im Sinne eines Risikofaktors gemeint. Während unseres Durchgehens meiner Präsentation fragte ich sie, warum dann in der Zusammenfassung fast jeder Interphone-Studie das Tumorrisiko infolge "regelmässiger" Nutzung als wichtigstes Ergebnis publiziert worden sei. Sie rollte ihre Augen und sagte etwas Ähnliches wie "Damit habe ich nichts zu tun."
Lloyd Morgan
Berkeley, California, USA
P.S. Im BEMS-Treffen von 2006 in Cancun hatte ich die Empfindung, dass der Damm Anzeichen von starker Beanspruchung zeigte. In San Diego 2008 bekam ich nun den Eindruck, dass der Damm grössere Risse zeigte und undicht zu werden begann.
http://groups.google.com/group/mobilfunk_newsletter/browse_thread/thread/c848bde8f4f2b6ba
Kompetenzinitiative e.V.
zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie
Wie empfindlich reagieren die Gene?
Erkenntnisse und Intrigen in einer zentralen
Frage der Mobilfunkforschung
EINE DOKUMENTATION
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Vorbemerkung:
Der folgende Text ist ein Auszug aus der Schrift „Wie empfindlich reagieren die Gene auf Mobilfunkstrahlung? Stand der Forschung – Entwarnungen und Intrigen – Vorschlag zur Selbsthilfe“ (Wirkungen des Mobil- und Kommunikationsfunks, Heft 3), die im November 2008 erscheinen wird - mit Beiträgen von Franz Adlkofer, Igor Y. Belyaev, Karl Richter und Vladislav M. Shiroff. Nach Erscheinen der Schrift wird eine Recherche-Seite auch die jeweiligen Volltexte der Stellungnahmen zugänglich machen. (Näheres zu der Reihe unter www.broschuerenreihe.net).
1. VORGESCHICHTE
Der Verkauf der UMTS-Lizenzen hat dem deutschen Staat 100 Milliarden DM gebracht, ihn aber auch zum Auftraggeber der UMTS-Technik gemacht. Dabei wurden technische und finanzielle Vorteile bedacht, die Erforschung der Risiken aber der Zukunft überlassen – eine bei der Versteigerung neuer Funktechniken auch weiterhin beobachtbare riskante Abfolge.
Die besonderen Risiken der UMTS-Technik sind seither immer deutlicher zutage getreten. Bei dem Handel zwischen Industrie und Staat wurde offenbar also in leichtsinniger Weise auch über die Gesundheit von Bevölkerung und Umwelt entschieden. Es mag verständlich erscheinen, dass sich beide Seiten von geeigneten ‚Experten’ noch immer die
Unbedenklichkeit der UMTS-Strahlung bescheinigen lassen. Doch die Beiträge dieser Schrift zeigen, dass das kein verantwortbarer Weg ist.
Die Diskrepanz zwischen dem Stand wissenschaftlicher Erkenntnis und industriellen wie staatlichen Entwarnungen zeichnet sich seit langem an charakteristischen Etappen der Entwicklung ab:
2003 bestätigt eine von drei niederländischen Ministerien in Auftrag gegebene Studie (‚TNO-Studie’) u. a. Tinnitus, Kopfschmerzen und Übelkeit als mögliche Sofortwirkungen der neuen Technik.
2005 gelangen schwedisch-russische Forschungen von I. Belyaev, E. Markova und anderen Wissenschaftlern zu dem Ergebnis, dass UMTS-Mikrowellenstrahlung auf Grund ihrer Signalcharakteristik deutlich größere zellschädigende biologische Effekte bewirken kann als GSM-Strahlung.
2006 bestätigen die Professoren H. W. Rüdiger und F. Adlkofer die Richtigkeit solcher Vergleiche mit dem Nachweis, dass die UMTS-Strahlung schon bei einer zehnmal niedrigeren Intensität (SAR) so gentoxisch ist wie nach den Ergebnissen der Reflex-Studie die GSM-Strahlung.
2008 belegt eine Studie des Fraunhofer Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin Hannover am Beispiel von Mäusen die tumorfördernde Wirkung von UMTS.
Warum Studien, die nichts gefunden haben, gut belegte Risiken nicht entkräften können, wird in den Beiträgen dieser Schrift immer wieder gezeigt. Doppelt gilt das dort, wo angebliche ‚Repliken’ auch nichts finden sollen. Nach dem Bekanntwerden der niederländischen TNO-Studie gibt die Mobilfunkindustrie eine UMTS- Studie an der ETH Zürich in Auftrag, verändert die Projektvorgaben (u. a. in der Auswahl der Probanden) allerdings so, dass andere Ergebnisse herauskommen müssen. Als Prof. Adlkofer Bundesumweltminister Gabriel im Dezember 2006 mit den Ergebnissen der neuen UMTS-Studie bekannt macht, sieht sich Prof. Alexander Lerchl von der privaten Jacobs University Bremen ein erstes Mal herausgefordert, die These besonderer UMTS-Risiken mit eigenen Versuchen an Mäusen zu entkräften. Und als Prof. Adlkofer die UMTS- Forschungen in einem internationalen Rahmen weiterführen und überprüfen lassen möchte, versucht Prof. Lerchl das Vertrauen in die UMTS-Technik auf anderem Wege wieder herzustellen.
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Der Bundesrat ist unkritisch gegenüber der
industrienahen Leitungsgruppe des NFP 57
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Stellungnahme zur Antwort des Bundesrates vom 8. Juni 2007 auf die Anfrage von Nationalrätin Franziska Teuscher „Nationales Forschungsprogramm zu Risiken elektromagnetischer Strahlung (NFP 57); Unabhängigkeit der Leitungsgruppe“, eingereicht am 23. März 2007.
Ausgearbeitet von Bürgerwelle-Schweiz und Diagnose-Funk, 24. Juni 2007
In ihrer Anfrage vom 23.03.07 äussert Franziska Teuscher Zweifel über die Unabhängigkeit der Leitungsgruppe des NFP 57 und stellt entsprechende Fragen an den Bundesrat.
Der Bundesrat versucht, diese Zweifel als unbegründet hinzustellen. In seiner Antwort vom 08.06.07 bekräftigt er zunächst die vorhandene wissenschaftliche Kompetenz der Mitglieder der Leitungsgruppe. – Eine solche wissenschaftliche Kompetenz sagt indessen über die Unabhängigkeit von Experten nicht das Geringste aus. Wissenschaftler können durchaus fachkompetent, aber zugleich sehr industriefreundlich sein.
Der Bundesrat gibt lediglich zu, dass ein Leitungsgruppenmitglied an einem Projekt für die Industrie gearbeitet habe und drei andere an von der Industrie mitfinanzierten Projekten beteiligt gewesen seien. Er sieht aber eine solche Zusammenarbeit mit der Industrie wegen des damit verbundenen Wissens- und Technologietransfers grundsätzlich nicht negativ. – Im NFP 57 braucht es jedoch keineswegs Experten mit Erfahrung im Wissens- und Technologietransfer! Im Gegenteil: Es geht um den Schutz der Volksgesundheit vor der Mobilfunktechnologie heutiger Art. Es braucht Wissenschaftler, die die zahlreichen für eine Schädlichkeit dieser Mobilfunktechnologie sprechenden Hinweise aus Wissenschaft und Praxis ernst nehmen. Solche Wissenschaftler gibt es weltweit viele, aber in der Leitungsgruppe des NFP 57 ist keiner von ihnen vertreten.
Das Eingeständnis des Bundesrates bezüglich der Industrieverbindungen einzelner Mitglieder der Leitungsgruppe wird indessen dem tatsächlichen Umfang dieser Verbindungen keineswegs gerecht. In Wirklichkeit gehen die Industrieverbindungen viel weiter:
Prof. Anders Ahlbom ist, wie bereits im Memorandum der Diagnose-Funk vom 26. März 2007 [1] erwähnt, seit 1995 Mitglied der ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection). Die ICNIRP ist ein in München registrierter privatrechtlicher Verein industriefreundlicher und regierungsnaher Fachleute, gebärdet sich aber als neutrale, offizielle Kommission mit Verbindung zur WHO. 1998 war Ahlbom an der Erarbeitung der ICNIRP-Grenzwertempfehlungen an die Regierungen beteiligt. Die ICNIRP bestreitet bis auf den heutigen Tag hartnäckig die – vielfach belegte und in der Praxis evidente – Existenz nicht-thermischer, biologischer Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf den menschlichen Organismus. Die ICNIRP „garantiert den Schutz der Personen jeglichen Alters und Gesundheitszustandes“ durch den von ihr empfohlenen – extrem hohen – Grenzwert (dem entspricht in der Schweiz der Immissionsgrenzwert von 60 V/m).
Die Strategie der ICNIRP wird auch an folgendem Beispiel deutlich: Prof. David (Universität Witten-Herdecke, BRD, und 1999 ebenfalls Mitglied der ICNIRP) hatte auf einer Informationsveranstaltung in Schwäbisch Hall am 15. Juli 1999 auf die Aufforderung, die Grenzwerte zu senken, vor dem Publikum geantwortet: “Wenn ich das tue, bin ich schon rausgeschmissen“. Prof. Neil Cherry hatte in einer Expertise für die Neuseeländische Regierung zur ICNIRP-Richtlinie [2] geschrieben: "Die Bewertung von Strahlungsauswirkungen durch die ICNIRP (1998) wurde überprüft und erwies sich als mit schweren, ja verhängnisvollen Fehlern behaftet; sie zeigt durchwegs ein Bild von Voreingenommenheit, bedeutenden Fehlern, Auslassungen und absichtlichen Verdrehungen.“
Ahlbom übt seitdem eine rege Expertentätigkeit aus und sitzt in etlichen internationalen Kommissionen – zur Verwunderung mancher unabhängiger Kollegen. Er taucht weltweit überall dort auf, wo es darum geht, die Risiken der Mobilfunktechnologie zu negieren. Ahlbom studierte Statistik und Wirtschaft. In den USA vertiefte er seine statistische Ausbildung in der Epidemiologie. Unseres Wissens besitzt er keine medizinische Ausbildung.
Prof. Jorgen Bach Andersen: Wir zitieren Prof. em. Sianette Kwee, ehemalige Kollegin von Bach Andersen an der Aarhus Universität, Dänemark: „Bach Andersen war Chefberater der dänischen Regierung, als die UMTS-Lizenzen versteigert wurden; zu jener Zeit hatte er schon jahrelang für Telekommunikationsfirmen (Siemens; TDC usw.) gearbeitet. In seinem Expertenbericht schrieb er, UMTS-Strahlung sei völlig harmlos. Während all der Jahre beharrte er darauf, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für irgendwelche gesundheitlichen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern gebe, und UMTS-Strahlung sei bestimmt die harmloseste von allen Strahlungen. Vor allem mokierte er sich über all diejenigen, die sagten, Sendemasten seien gefährlich, sowie über Wissenschaftler, deren Studien über biologische Effekte von Hochfrequenzstrahlung positive Resultate zeigten. Deshalb wurde er auch mit der Administration von Projekten betraut, die mit der Absicht des „Weisswaschens“ finanziert wurden.“ – Deutlicher kann man es wohl kaum sagen. Insider wie Prof. Kwee wissen sehr genau, wer sich auf der Seite der Industrie positioniert. Man erkennt es unter anderem an der Art, wie Studien interpretiert werden.
Prof. Elisabeth Cardis ist Mathematikerin und (wie Ahlbom) Spezialistin für Statistik. Sie ist Mitglied der IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung; gehört zur WHO). 1998-2002 war sie Mitglied des ständigen Komitees für Epidemiologie der ICNIRP; seither ist sie noch korrespondierendes Mitglied (externe Expertin) der ICNIRP. Sie koordiniert das von der EU und der Industrie gemeinsam finanzierte INTERPHONE-Forschungsprojekt, das in letzter Zeit vor allem durch Entwarnungen bezüglich Gehirntumoren durch Mobiltelefonieren von sich reden machte (Details im Memo der Diagnose-Funk).
Prof. Yngve Hamnerius betreibt eine Messfirma. Seine Arbeit für die Industrie orientiert sich an den ICNIRP-Grenzwerten. Er war (zumindest bis vor einigen Jahren) Berater von TeliaSonera, des führenden schwedisch-finnischen Telekommunikationskonzerns und Mobilfunkbetreibers.
Vier von acht Mitgliedern der NFP 57-Leitungsgruppe stehen demnach eindeutig der Industrie nahe. Ein fünftes Mitglied, Prof. Dariusz Leszczynski, hat zwar in der Vergangenheit im Auftrag von Nokia geforscht, ist dabei aber kritisch gegenüber Mobiltelefonen geblieben. Die Mobilfunk-Basisstationen („Antennen“) jedoch sieht Leszczynski keinesfalls als ein Gesundheitsrisiko. Mit dieser Meinung ignoriert er die Faktenlage.
Die Hälfte der NFP 57-Leitungsgruppe besteht also aus Wissenschaftlern, die bis heute öffentlich das Gesundheitsrisiko der Mobilfunksstrahlung herabzuspielen oder völlig zu verneinen suchen. In Bezug auf das Risiko von Basisstationen sind es sogar 5 von 8 Personen. Und diese Leitungsgruppe schlug die externen Begutachter vor, beurteilte die Projektvorschläge, traf hieraus eine Auswahl zuhanden des Forschungsrates, überwacht die Qualitätsstandards, begleitet die wissenschaftliche Arbeit und interpretiert die Ergebnisse.
Der Bundesrat betont, dass eine Einflussnahme durch die Industrie im NFP 57 nicht möglich sei, da alle Projekte von der Öffentlichen Hand finanziert werden. – Doch diese Gelder wurden nun in die Hände einer Leitungsgruppe gelegt, deren Mitglieder in der Mehrheit der Industrie nahe stehen. Eine gewisse indirekte Einflussnahme der Industrie auf die Projektausschreibung und -auswahl ist bereits Tatsache geworden. Eine Einflussnahme ist auch während der Forschungsarbeiten zumindest nicht auszuschliessen, wenn nicht sogar anzunehmen.
Derart industriell motivierte Einflussnahmen sind als solche nicht immer gleich zu durchschauen. Sie geschehen in der Regel in subtiler, für die beteiligten Forscher kaum erkennbare Weise. Die Strategien der verschiedenen Industriezweige zur Verschleierung der Risiken ihrer Produkte werden neuerdings auch in wissenschaftlichen Artikeln eingehend beschrieben [3], [4].
Der Bundesrat antwortet auf den Einwand von Frau Teuscher, wonach in der Leitungsgruppe als Gegengewicht zu den industrienahen Wissenschaftlern auch mobilfunkkritische Wissenschaftler sitzen sollten, dass die NFP-Leitungsgruppen ausschliesslich „nach wissenschaftlichen Kompetenzen“ zusammengestellt würden. „Interessensgruppen“ könnten sich dann über die Forschungsergebnisse orientieren. Was heisst das im Klartext? Nichts anderes als:
„wissenschaftliche Kompetenz = Objektivität“
und
„Mobilfunkkritik = interessengebundene Befangenheit“!
Diese Ansicht des Bundesrates ist ganz entschieden unhaltbar! Sie dient offensichtlich der Verschleierung der Tatsache, dass in der jetzigen Leitungsgruppe des NFP 57 eindeutige industrielle Interessenbindungen bestehen.
Daher wäre es notwendig, dass ein Gegengewicht durch andere Wissenschaftler gebildet würde: Wissenschaftler, die ihre Gesamtverantwortung für die Volksgesundheit wahrnehmen und den Mut haben, diese öffentlich zu vertreten. Wissenschaftler, die sich nicht nur vorsichtig innerhalb der vielfach mit der Industrie verflochtenen „scientific community“ – der Gemeinschaft der Wissenschaftler – bewegen, sondern solche, die sich für den Schutz der Bevölkerung exponieren. Diese Wissenschaftler fehlen hier jedoch gänzlich.
Mit seiner Antwort gibt der Bundesrat zu erkennen, dass er selbst unter dem Einfluss der Industrie steht und der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung für ihn zweitrangig ist. Als Bürger und vor allem auch als von der Mobilfunkstrahlung direkt Betroffener fragt man sich: Wer setzt sich dann in unserem Staat überhaupt noch für den Schutz der Gesundheit ein?
Bürgerwelle-Schweiz und Diagnose-Funk
Referenzen
[1]http://www.nfp57.diagnose-funk.ch/informationen/033ea299510d59a04.html
[2] Cherry N: Criticism of the proposal to adopt the ICNIRP guidelines for cellsites in New Zealand; Lincoln University, 1999
Korrupte Wissenschaft…
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…ein starker Ausdruck! Wird da verallgemeinert und dramatisiert? – Leider nicht. Denn der Titel der Sonderausgabe des International Journal of Occupational and Environmental Health Nr.4 vom Oktober/Dezember 2005 lautet: Korruption der Wissenschaft durch die Wirtschaft.
Diese wissenschaftliche Zeitschrift für Gesundheitsprobleme im Arbeits- und Umweltbereich weist in 14 von Spezialisten geschriebenen, sachlich formulierten Fachartikeln nach, dass die Firmen und Industrien meist über die Gesundheitsrisiken ihrer Produkte und Verfahren sehr wohl Bescheid wissen, und dies in der Regel schon von Anfang an. Zur Vermarktungsstrategie gehören die Taktiken, wie Wissenschaft, Gesetzgeber und Öffentlichkeit über die wahre Schädlichkeit der Produkte getäuscht werden sollen. – Die Quelle dieser Informationen sind Firmendokumente, die anlässlich von Schadenersatz-Gerichtsprozessen bekannt wurden.
Der Mobilfunk wird in der Sonderausgabe dieser Fachzeitschrift nicht erwähnt. Doch wer die Mobilfunkbranche genau beobachtet, der weiss, dass – international und im Gesamten gesehen – Wort für Wort dieser 14 Fachartikel auf sie genauso zutrifft.
Zur Erinnerung: Der industriefreundliche, teils mit Behörden personell in Verbindung stehende, als offizielle „Kommission“ getarnte Verein der ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection), von der WHO (World Health Organization) als „Fachgremium“ anerkannt, schlug frühzeitig Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung vor, die nur die thermischen Auswirkungen der Strahlung berücksichtigten. Folgsam übernahmen die Staaten diese Grenzwerte. Zwar hätte man schon in den 90er Jahren wissen können, dass sie von der ICNIRP absichtlich so hoch vorgeschlagen wurden, um den Ausbau des Mobilfunks nicht zu behindern. Dadurch jedoch sind diese Grenzwerte für den Gesundheitsschutz um Grössenordnungen zu hoch.
Die Mobilfunkbranche wendet auch alle weiteren in den 14 Artikeln beschriebenen Strategien und Taktiken an, zum Beispiel
- Beeinflussung der Meinungsbildung in Wissenschaft, Journalismus und Öffentlichkeit über die Wege der Fachinformationen und über die Massenmedien
- Lobbyarbeit bei Gesetzgebung, Druck auf Behörden und Verordnungsgebung
- Bildung eigener wissenschaftlicher Beiräte oder Einflussnahme auf deren Zusammensetzung
- Beteiligung an Forschungsinstitutionen; Benützung von an Universitäten angegliederten Institutionen
- Bildung eigener Frontorganisationen, Diskussionsforen und Internetseiten und deren Tarnung als „neutral“
- Ignorieren, Bezweifeln oder Abwerten publizierter wissenschaftlicher Nachweise von Effekten, die in unabhängiger Forschung gefunden wurden
- Unterdrückung oder Nichtpublikation eigener Forschungsergebnisse, die Effekte zeigen
- „Science to Specification“: Eigene Planung von wissenschaftlichen Studien (oder Einflussnahme auf deren Planung) so, dass das Ergebnis – z.B. ein Negativergebnis (= „keine Effekte“) – von vornherein möglichst gesichert ist
- Einflussnahme auf die wissenschaftliche Grundsatzdiskussion, welche Kriterien ein Forschungsergebnis für den schlüssigen, allgemein akzeptierten Nachweis von Effekten erfüllen muss (= wie hoch die zu überspringenden Beweishürden sind)
- Diskreditierung von Wissenschaftern, deren Aussagen dem Firmenziel der Gewinnmaximierung schaden
- Finanzielle Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen
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VOL 11/NO 4, OCT/DEC 2005
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Over a Barrel:
Corporate Corruption of Science and Its Effects on Workers and the Environment
Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert:
Die Korruption der Wissenschaft durch die Wirtschaft und ihre Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Umwelt
DAVID S. EGILMAN, MD, MPH; SUSANNA RANKIN BOHME, AM Zusammenfassung: „Obwohl Berufs- und Umweltkrankheiten oft als isolierte Einzelfälle eines Versagens der Wissenschaft betrachtet werden und man von der Regierung oder von der Industrie erwartet, dass sie die Interessen der Allgemeinheit schützt, sind diese Krankheiten in Wirklichkeit die Folge eines verbreiteten Systems von wirtschaftlich motivierter Prioritätensetzung, Entscheidungsfindung und Einflussnahme. Dieses System erzeugt Krankheiten, weil politische, ökonomische, regulatorische und ideologische Normen Werte wie Reichtum und Profit über die menschliche Gesundheit und eine intakte Umwelt stellen. Die Wissenschaft ist eine Schlüsselgrösse dieses Systems; die Manipulation von Beweismaterial, Daten und Auswertungen in der Absicht, günstige Bedingungen für die Industrie auf materiellem und ideologischem Gebiet zu erhalten, hat starke Tradition. Der vorliegende Beitrag bringt Beispiele, wie Industriekonzerne die Wissenschaft beeinflussen, zeigt die Auswirkungen dieses Einflusses auf die Gesundheit in Berufs- und Umweltzusammenhängen und liefert Beweismaterial für ein systemisches Problem.“ (S.331)
Auszüge aus dem Artikel:
„Viele der Autoren mit Einschluss eines der Herausgeber [dieser Zeitschrift] dienten als Experten in Gerichtsverfahren. Das ist kein Zufall, denn viele Artikel dieser Ausgabe hätten unmöglich geschrieben werden können ohne Zugang zu Firmendokumenten im Rahmen der Beweisaufnahme. Ein Hauptnutzen gerichtlicher Schadenersatz-Verfahren ist die Tatsache, dass das einer der wenigen Wege ist, auf welchem Firmendokumente an die Öffentlichkeit gelangen können.“ (Fussnote S.332)
„Kjaergard und Als-Neilsen[1] und Als-Neilsen et al.[2] fanden bei randomisierten [= nach dem Zufallsprinzip angelegten] klinischen Untersuchungen über eine bestimmte Therapie, dass die von Firmen finanziell unterstützten Wissenschafter signifikant häufiger zugunsten der Therapie aussagten als Forscher ohne solche Unterstützung. Wie Sheldon Krimsky gezeigt hat, sind Universitäten und Universitätswissenschafter immer mehr an Unternehmungen für Forschung und Entwicklung beteiligt, was sowohl Institutionen als auch Einzelne in starke Interessenkonflikte stürzt[3]. Manchmal führt ein tief verwurzelter Glaube an die Sicherheit eines Materials oder einer Industrie zu einem wissenschaftlichen Vorurteil[4]. Oder Wissenschafter und andere Beteiligte benützen sogar bewusst wissenschaftlich fehlerhafte Aussagen, um eine ‚vernünftige’ Erklärung für ein bloss minimales Niveau bezüglich Gesundheits- und Umweltschutz zu fabrizieren.“ (S.333)
„Vielleicht der bequemste Weg, die negativen gesundheitlichen Auswirkungen einer gefährlichen Substanz herunterzuspielen, ist es, ganz einfach die Studien nicht zu publizieren, die solche Auswirkungen zeigen. Zum Beispiel stellt John McColloch[5] dar, wie die kanadische Asbestindustrie es unterliess, ihre Daten zu publizieren, die enthüllten, dass bei den Bergleuten in den Asbestminen von Quebec Asbestose und andere Gesundheitsprobleme einen hohen Anteil hatten. Tatsächlich behaupteten die kanadischen Asbestfirmen öffentlich während Jahrzehnten, dass die kanadischen Bergleute nicht unter Asbestose litten. McColloch schreibt, dass die ‚vorsichtige Handhabung medizinischen Wissens’ der ‚Schlüssel zur fortdauernden Anwendung von Asbest’ war.“ (S.333)
„Phyllis Mullenix[6] zeigt, wie die Fluorindustrie, in Zusammenarbeit mit dem U.S.-unterstützten Manhattan Projekt, Studien sowohl unterdrückte als auch veränderte, um den Eindruck aufrecht zu erhalten, dass Fluor unschädlich und segensreich sei. Die von ihr besprochenen Studien wurden zuvor nie öffentlich diskutiert, enthalten aber wichtige Daten über die Toxizität von Fluor und enthüllen auch die Unterdrückung von Forschungsergebnissen.“ (S.333)
„Valerio Gennaro und Lorenzo Tomatis[7] beschreiben Strategien für von der Industrie unterstützte epidemiologische Studien, die ‚fast unweigerlich zu negativen Ergebnissen führen’. Sie präsentieren 15 Strategien, worunter: Schaffung eines Verdünnungseffektes durch Vergleich aller Arbeiter mit einer nicht exponierten Kontrollgruppe anstelle des Vergleichs der exponierten mit den nicht exponierten Arbeitern; Unterlassung der Kontrolle bezüglich des Healthy-Worker[gesunder Arbeiter]-Effekts; Exposition nur gegenüber einer einzigen Substanz berücksichtigt; Unterlassung des Einbezugs angemessener Folgeperioden bei Krankheiten mit langer Latenzzeit (z.B. Krebs).“ (S.334)
„William Kovarik[8] liefert ein Beispiel, wie korrupte Industriewissenschaft Einfluss auf die Vorschriften nehmen kann. Trotz der zu Beginn des 20. Jahrhunderts [!] geführten Debatten über Schädlichkeit oder Unschädlichkeit des verbleiten Benzins und der schon damals bekannten Alternativtreibstoffe (Ethanol) gelang es den Führern der Bleiindustrie, die Regulierungsbehörden nicht nur von der Notwendigkeit von Blei als Treibstoffzusatz für Klopffestigkeit sondern auch von dessen Unschädlichkeit für die Bevölkerung zu überzeugen.“ (S.334)
„Ein aktuelles Beispiel für den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft gibt Caroline Snyder[9]. Dieses zeigt, wie von der Industrie ausgeübter Druck auf eine Regulierungsbehörde, nämlich auf das U.S. Umweltschutzamt, eine Politik der Verwendung des giftigen, menschliche und industrielle Abfälle enthaltenden Klärschlamms als Felddünger bewirkte. Der Einsatz für diese Politik während mehr als 30 Jahren resultierte in korrupter Wissenschaft, Angriffen auf Gegner dieser Politik und nachteiligen Wirkungen auf die menschliche Gesundheit mit Einschluss von zumindest drei Todesfällen.“ (S.334)
„Jennifer Sass und Peter Infante[10] […] zeigen Probleme bezüglich des Einflusses der Industrie auf wissenschaftliche Fachgremien für Butadien in der EPA [Environmental Protection Agency = U.S. Umweltschutzamt] und in der IARC [International Agency for Research on Cancer = Krebsforschungsstelle der WHO]. Ein industrielastiger Wissenschaftsrat überzeugte die EPA, ihre Einschätzung des krebsverursachenden Potentials von Butadien auf eine schwache Studie abzustellen, in der individuelle Expositionsdaten fehlten, die Expositionsstufen wahrscheinlich falsch klassifiziert waren und ausschliesslich die Leukämie-Todesfälle gezählt wurden, nicht aber die an Leukämie Erkrankten. Bei der IARC wurde die Klassifizierung von 1,3-Butadien als Humankarzinogen zurückgenommen und in einem zweiten, ausserordentlichen Beschluss als bloss ‚möglicherweise krebserzeugend’ eingestuft.“ (S.334/335)
„Wenn behauptet wird, eine seriöse Wissenschaft könne ausschliesslich die reine [abstract] Wahrheit fördern, so sind wir damit nicht einverstanden. Die Gesundheit wird gefördert durch eine seriöse Wissenschaft, die wichtige Fragen des Gesundheitswesens selber aufgreift. Dabei darf die Wissenschaft nicht vorbestimmte, sondern sie muss ganz einfach die richtigen Ergebnisse liefern. Gegenwärtig werden jedoch viele der wichtigsten Fragen des Gesundheitswesens von der Wissenschaft gar nicht gestellt, oder die Antworten darauf sind so ausgerichtet, dass sie den Gewinninteressen statt der Gesundheit dienen.“ (Fussnote S.336)
Maximizing Profit and Endangering Health:
Corporate Strategies to Avoid Litigation and Regulation
Gewinnmaximierung und Gesundheitsgefährdung:
Wirtschaftsstrategien zur Vermeidung von gerichtlichen Schadenersatzverfahren und behördlichen Vorschriften
SUSANNA RANKIN BOHME, AM, JOHN ZORABEDIAN, DAVID S. EGILMAN, MD, MPH
Zusammenfassung: „Firmen und Industrien benutzen mehrere Taktiken, um die Tatsache zu verschleiern, dass ihre Produkte gefährlich oder tödlich sind. Im Blick auf die Gewinnmaximierung ist es ihr Ziel, sich ein möglichst wenig einschränkendes regulatorisches Umfeld zu sichern sowie die gesetzliche Haftung für Tod oder Körperverletzung abzuwenden. Sie arbeiten mit Anwälten und PR-Spezialisten, die ihrerseits Wissenschafter, wissenschaftliche Beiräte, Frontorganisationen, Industrieverbände, Denkfabriken und die Medien einspannen, um die Meinung in Wissenschaft und Öffentlichkeit über ihre Produkte oder Verfahren zu beeinflussen. Diese Strategie, die von einer korrupten Wissenschaft abhängt, begünstigt die Wirtschaft auf Kosten der Volksgesundheit. Demgegenüber können im Gesundheitswesen tätige Fachleute aus der Kenntnis dieser Strategie einen Nutzen ziehen für den erfolgreichen Aufbau einer Meinungsbildung in Wissenschaft und Öffentlichkeit zugunsten der Förderung sowohl einer untadeligen [good] Wissenschaft als auch des Gesundheitswesens.“ (S.338)
Auszüge aus dem Artikel:
„Die Verbreitung bisher geheimer Industriedokumente, die anlässlich gerichtlicher Schadenersatzverfahren erstellt wurden, hat es möglich gemacht, die Strategien, wie sie durch Tabak-, Asbest-, Beryllium-, Kunststoff- und Chemiefirmen sowie durch deren Industrieverbände, Frontorganisationen und von der Industrie unterstützten Wissenschafter angewandt werden, lückenlos zu dokumentieren. Interne Dokumente, die in solchen Gerichtsverfahren produziert wurden, liefern Beweise, dass die Industrie vorsätzlich und böswillig handelte. Der Erfolg dieser Strategien über viele Jahre in Bezug auf deren fortdauernden Einfluss auf die Normensetzung, Begrenzung der Haftung für Schadenersatz sowie Verzögerung und Abschwächung der staatlichen Vorschriften ist offensichtlich. […] Konzerne dieser Industriezweige führen solche Pläne nicht allein aus. Vielmehr arbeiten sie eng zusammen mit Rechtsanwälten aus meist grossen Anwaltsfirmen und mit ebenso mächtigen PR-Firmen. Einige PR- und Anwaltsfirmen stehen an der Spitze bezüglich der Unterstützung von Produzenten gefährlicher Güter. […] PR-Firmen beschränken sich nicht auf die Planung von Medienkampagnen, sondern schliessen auch Verträge für wissenschaftliche Studien ab, planen juristische Strategien auf breiter Basis, gründen ‚Bürgerinitiativen’ zur Unterstützung der Industrie oder bestimmter Produkte und arbeiten daran, Wissenschafter in Verruf zu bringen, die den Zielen der Firma entgegenstehen. Auch Anwaltsfirmen arbeiten nicht bloss an juristischen Strategien, sondern schliessen ebenfalls Verträge für wissenschaftliche Studien, formulieren Verteidigungsstrategien und betreiben Lobbyarbeit bei Beamten.“ (S.338)
„Industrielle Forschungsunterstützung kann Wissenschafter zugunsten desjenigen beeinflussen, der sie bezahlt […], auch wenn kein unzulässiger Druck auf die Forscher ausgeübt wird. Bedenklicher sind einige andere Tendenzen der von der Industrie unterstützten Forschung, die in der Richtung einer absichtlichen Verfälschung von Forschungsergebnissen geht.“ (S.339)
„Eine der häufigsten von Unternehmen, Anwalts- und PR-Firmen angewandten Taktiken ist es, Wissenschafter damit zu beauftragen, Fragen so zu stellen oder zu analysieren, dass eine ‚Kontroverse’ über etwas entsteht, was sonst ein eindeutiges Gesundheitsrisiko wäre. ‚Zweifel ist ihr Produkt’ – das hat der frühere Zweite Sekretär für Umwelt, Sicherheit und Gesundheit, David Michaels[11], überzeugend dargelegt. Michaels hebt hervor, dass die Forschung solcher Firmen regelmässig dazu benützt wird, um die staatliche Regulierung zu beeinflussen, aber nicht mittels Beweisen für die Unschädlichkeit eines Produktes oder Verfahrens, sondern mit der Behauptung, dass ,die Beweislage nicht eindeutig ist und staatliche Vorschriften daher nicht zu rechtfertigen sind.’
Als sie mit Beweisen über die Gefahren ihrer Produkte oder Verfahren konfrontiert wurden, haben sich einige Industrien oder Firmen auf die Strategie verlegt, wissenschaftlichen Zweifel zu säen, indem sie Grundsatzfragen aufwarfen über die Art von Beweisen, auf die man sich für den Nachweis der Ursächlichkeit stützen dürfe. (S.339)
„Science to specification nennen wir eine Forschung mit dem erklärten Zweck, ein ‚Ergebnis’ zu erreichen, das ein von Firmen oder Industrien bezüglich Vorschriften oder in Gerichtsverfahren verfolgtes Ziel stützt. […] Statt mit einer Frage zu beginnen und die am besten zutreffende Antwort zu suchen, beginnt diese Art Forschung mit dem gewünschten ‚Ergebnis’.“ (S.340/341)
„Eine der ethisch am meisten beunruhigenden Methoden, um die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen unter Kontrolle zu bringen, sind die Versuche von Firmen, gegnerische Wissenschafter zu diskreditieren, sie einzuschüchtern oder sie in einen Skandal zu verwickeln. Die orchestrierten Angriffe auf Dr. Irving Selikoff, den Autor mehrerer früher Studien, die vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Asbest warnten, sind eines der wichtigsten Beispiele für die Einschüchterungstaktiken von Firmen.“ (S.342)
„Eine andere von PR-Firmen, grossen Anwaltsfirmen und den von ihnen vertretenen Industriefirmen angewandte Technik ist es, ‚wissenschaftliche Beiräte’ im Hinblick auf ein bestimmtes Thema aufzustellen. Allzuoft sind solche Beiräte keine wirklich unabhängigen Ratgeber, sondern eher Gruppen von Wissenschaftern, die industriefreundliche Forschung betreiben, bei behördlichen Anhörungen und in der Presse für die Interessen der Industrie sprechen sowie als Gerichtsexperten in Schadenersatzprozessen auftreten.“ (S.342)
„Obwohl sie nicht unbedingt im Zuge irgendeiner bestimmten Firmen- oder Industrie-Strategie zur Begrenzung von Regulierung und Haftung gebildet wurden, teilen eine Anzahl rechtsstehender Denkfabriken diese Ziele mit der Wirtschaft. Die grosszügige Unterstützung durch die Wirtschaft und das intellektuelle Kapital machen sie zur starken Macht bei der Beherrschung der öffentlichen Meinung und der Beeinflussung der Gesetzgebung. Eine Anzahl bekannter Denkfabriken mit Einschluss von Cato, Heritage und Mercatus versuchen die Haftung der Konzerne zu begrenzen und Vorschriften im Gesundheitswesen zu bremsen.
Denkfabriken können im Eindämmen von Vorschriften sehr erfolgreich sein [es folgen Beispiele].“ (S.345)
„Die Industrie und ihre PR-Firmen nutzen die Massenmedien zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung über die Unschädlichkeit ihrer Produkte. Eine breite Medienkampagne reproduziert manipulierte Wissenschaft in populärer Form. Eine solche breit abgestützte Strategie soll Einfluss nehmen auf die Öffentlichkeit, die Gesetzgebung, die Vorschriften erlassenden Behörden, und sie soll potentielle Geschworene [in den U.S. spielen die mit Laienrichtern arbeitenden Geschworenengerichte eine wichtige Rolle] beeinflussen, die eine immense Macht haben, in Schadenersatzfällen die Firmen zur Verantwortung zu ziehen.“ (S.345)
„Ohne wachsame Aufsicht staatlicher Regulierungsorgane, eine Presse mit wirklicher Wachhund-Funktion [watchdog press], Beteiligung von Bürgern und Gewerkschaften sowie allgemeingültige ethische Normen für die wissenschaftliche Forschung wird die Industrie ihre Strategie der Gewinnmaximierung bei gleichzeitiger Minimierung des Gesundheitsschutzes weiterführen.“ (S.347)
Lifting the Veil of Secrecy from Industry Funding
of Nonprofit Health Organizations
Den Schleier lüften über der Unterstützung gemeinnütziger Organisationen des Gesundheitswesens durch die Industrie
MICHAEL F. JACOBSON, PHD
Zusammenfassung: „Wer Informationen über wissenschaftliche Themen und Grundsätze verbreitet, bezeichnet sich selbst normalerweise als objektiv und ‚wissenschaftlich’. Dieser Artikel beschreibt eine Reihe von Wohlfahrtsorganisationen des Gesundheitswesens, Berufsverbänden, gemeinnützigen Rechtshilfe-Organisationen und von der Industrie geschaffenen Organisationen, die bedeutende Zuwendungen von der Industrie erhalten. In einigen Fällen scheint die Industrie entweder den Standpunkt einer Organisation zu beeinflussen, oder sie beschränkt die Freiheit einer Organisation, sich auf den Interessengebieten der Unterstützerfirma zu äussern. Gemeinnützige Organisationen müssen den potentiellen Einfluss auf ihre Unabhängigkeit bedenken, wenn sie Zuwendungen von interessierten Unternehmen und Handelsorganisationen annehmen.“ (S.349)
Auszüge aus dem Artikel:
„Unternehmen haben gelernt, dass sie die öffentliche Meinung und die Politik besser beeinflussen können, wenn sie es – zusätzlich – durch scheinbar unabhängige Organisationen statt in ihrem eigenen Namen tun. Indem sie danach trachteten, Politiker und Journalisten zu beeinflussen und zu benützen, haben sie erkannt, dass es sehr nützlich sein kann, eine anscheinend unabhängige gemeinnützige Organisation zu haben, die ihre Sache vertritt. […]
Viele gemeinnützige Gruppen nehmen Firmenunterstützung gerne an. Die Zuwendungen erlauben ihnen, an öffentlichem Profil zu gewinnen (was sich in erhöhten Spenden auswirken kann), neue Mitarbeiter einzustellen und ihre Programme zu erweitern. Allerdings wird, ungeachtet der Beteuerungen von Geber und Empfänger, dass keine Bedingungen daran geknüpft seien, in der Regel dennoch ein Preis für die Annahme von Firmenzuwendungen bezahlt. Und dieser Preis kann der Verlust von Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit sein.“ (S.349)
„Medizinische Berufsorganisationen und Wohlfahrtsverbände des Gesundheitswesens gehören zu den grössten Empfängern von Industriezuwendungen. Medikamentenhersteller und andere Unternehmen haben solchen Gruppen erhebliche Beträge geliefert, damit sie den gewinnträchtigsten Produkten dieser Unternehmen Bekanntheit und Glaubwürdigkeit verschaffen. (S.349) [Es folgen Beispiele. Eines davon:]
Medizinische Kongresse sehen wegen massiver Firmenunterstützung letztlich oft eher wie Handelsmessen aus. Gemäss einem Artikel in der Washington Post über die Rolle der Industrie in medizinischen Zusammenkünften „zahlten die Firmen der APA [American Psychiatric Association] in mehreren Dutzend Symposien während des einwöchigen Kongresses rund 50'000 Dollars pro Session, um bestimmen zu können, welche Wissenschafter und Studien präsentiert wurden und um die Präsentationen gestalten zu helfen.“
[…] Die Unternehmen wissen sehr wohl Bescheid über die Berufsorganisationen: Sie sehen sie als Trojanische Pferde, die sie benützen können, um den Absatz zu steigern und die öffentliche Politik zu beeinflussen.“ (S.350)
„Wohlfahrtsorganisationen des Gesundheitswesens [health charities] und Berufsorganisationen bewahren sich typischerweise sogar dann einen beträchtlichen Grad an Unabhängigkeit und führen wertvolle Projekte durch, wenn sie Zuwendungen von zweifelhaften Spendern erhalten. Viel weniger Glaubwürdigkeit haben Organisationen, die von Grund auf Neuschöpfungen der Firmen sind. Solche Organisationen haben oft wohltätig klingende Namen… [es folgen Beispiele].“ (S.352)
„An Universitäten angegliederte Institutionen sind besonders zweckmässige Mittel für die Verbreitung der Sichtweise der Industrie; sie sind hilfreich im Aufpolieren des Ansehens des Unternehmens, und sie verschaffen den Unternehmen Zugang zu angesehenen Mitgliedern der Fakultät. [Es folgen Beispiele.] (S.354)
„Es ist ausschlaggebend, dass politisch Tätige wie Parlamentarier, politische Ratgeber und Institutionen wie der Nationale Wissenschaftsrat die Interessenkonflikte der Organisationen, die ihre Entscheidungen zu beeinflussen suchen, kennen. Forschern, die unmittelbar in Interessenkonflikten stehen, sollte die Mitarbeit in Gremien nicht erlaubt werden. Wenn in Konflikten stehende Organisationen an öffentlichen Anhörungen aussagen oder schriftliche Erklärungen abgeben, sollte von ihnen verlangt werden, dass sie ihre Konflikte offenlegen, sodass ihre Sichtweise in den richtigen Zusammenhang gestellt werden kann. Die Öffentlichkeit zählt auf Journalisten, durch die verdeckte finanzielle Abhängigkeiten aufgedeckt werden, und es ist ermutigend, dass einige Medien mit Einschluss der New York Times und der Washington Post sowie eine wachsende Zahl von akademischen Zeitschriften die Aufdeckung zur Norm machen.“ (S.355)
Die Ausgabe Vol 11, No 4, Oct./Dec. 2005 des International Journal of Occupational and Environmental Health, dem die Texte der obenstehenden drei Artikel entnommen sind, ist eine Sonderausgabe zum Thema „Korruption der Wissenschaft durch die Wirtschaft“. Sie enthält insgesamt 14 Artikel zu diesem Thema, die im englischen Volltext-Original frei zugänglich sind unter www.ijoeh.com .
Der obige Übersetzungs-Vorschlag wurde durch die Bürgerwelle Schweiz erarbeitet. Zusätze des Übersetzers, ausgeschriebene Namen von abgekürzt genannten Institutionen sowie schwer übersetzbare Begriffe erscheinen in eckigen Klammern [ ]. Die hauptsächlichen Stichwörter oder Satzteile sind durch den Übersetzer im Fettdruck herausgehoben worden.
27. August 2006
Wie objektiv sind Experten?[1]
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Wenn selbst Wissenschafter versuchen, die Beschwerden solcher Leute als 'Einbildung' abzutun ist das nicht nur peinlich, sondern auch gefährlich. Immer mehr Menschen erkennen zwar, dass offizielle Verlautbarungen seien sie nun politischer oder wissenschaftlicher Art nicht automatisch der Wahrheit entsprechen müssen. Dennoch kann es den einen oder anderen Bürger verunsichern, wenn ein hochdekorierter Wissenschafter behauptet, der Mobilfunk sei vollkommen unbedenklich.
Genau diese Aufgabe hat ein solcher Wissenschafter natürlich zu erfüllen. Prof. Erich Schöndorf, der ehemalige Staatsanwalt im deutschen Holzschutzmittelprozeß[2], publizierte im Spiegel einen Artikel mit dem Titel 'Die Lügen der Experten' (23/1999). Darin zeigte er das listige Ränkespiel der Industrie auf, welches im Mobilfunkbereich ebenso gespielt wird, wie in jedem anderen Streit, wo Geldinteressen gegen Gesundheitsvorsorge stehen. Schönfeld schrieb:
„Bei der Auswahl der Gutachter kann sich die Justiz Spezialisten holen, darf sich die Rosinen aus dem großen Ärztekuchen picken. Das macht sie auch. Prominente Lehrstuhlinhaber, internationale Kapazitäten, doppelt und dreifach Promovierte bevölkern die Gerichtssäle. Und trotzdem gibt es keine Gerechtigkeit für Chemikalienkranke. Oder gerade deswegen? Vor wenigen Jahren wurde das Problem noch unter dem Begriff der käuflichen Wissenschaft gehandelt. Mittlerweile ist man deutlicher geworden und spricht von Wissenschaftskriminalität.
Zahlreiche Sachverständige begutachten einfach falsch. Sie irren nicht, sie lügen. Und sie lügen mit Kalkül, immer zugunsten des am Verfahren beteiligten wirtschaftlich Mächtigeren, des Unternehmens, des Konzerns, des Herstellers. Nie zum Vorteil der kranken Kläger. (...) Was die Sachverständigen da tun, ist kein Freundschaftsdienst, sondern Teil eines Geschäfts: Unwahrheit gegen Cash. Der Hintergrund dieses schlimmen Tatbestandes ist kein Geheimnis. Längst können Universitätsinstitute, Forschungsgesellschaften oder andere Wissenschaftseinrichtungen ohne den ständigen Geldstrom aus der Wirtschaft nicht mehr existieren. Der Staat gibt nur noch Peanuts. Und weil auch diese immer weniger werden, gewinnen die Drittmittel, wie die Zuwendungen wertneutral heißen, ständig an Bedeutung. Die Heimstätten unserer Sachverständigen hängen am Tropf der Konzerne. Deren Unterhaltsleistungen erfolgen ganz und gar unspektakulär und unverfänglich in Form von Forschungs- und Gutachtenaufträgen und hin und wieder auch als Spende oder Doktorandenstipendium. Dafür dürfen die Unternehmen sich etwas wünschen: günstige Expertisen. Die bekommen sie auch, ansonsten wäre die geschäftliche Beziehung gefährdet."
Geld regiert die Welt. Und welcher Wissenschafter möchte nicht gerne unbeschränkte Geldmittel zur Verfügung haben, um das zu erforschen, was ihn nicht nur reich, sondern auch berühmt und angesehen machen wird? Glücklicherweise gibt es aber Wissenschaftler, die ihren beruflichen Ehrgeiz dem Wohl der Bevölkerung unterordnen und sich weigern, gewisse Dinge im Namen der Wissenschaft zu tun. Leider sind es noch zu wenige. Noch viel dünner gesät sind jene Wissenschaftler, die den Mut gefunden haben, gegen den Druck der Industrie und der Akademikergemeinde anzutreten. Die genug Kraft haben, um ihre Stimme für die Gesundheit aller zu erheben und sich damit harten Repressionen aussetzen.
Wenn Sie nicht wissen, welcher von zwei akademischen Meinungen Sie Glauben schenken sollen, dann fragen Sie sich immer, was die Betreffenden zu gewinnen oder verlieren haben. Wenn ein Wissenschafter für den Mobilfunk eintritt, geht er kein großes Risiko ein. Dafür kann er viel gewinnen. Er macht sich bei der Wirtschaft lieb Kind und erhält dafür gesellschaftliches Ansehen und gut bezahlte Forschungsaufträge.
Ein Wissenschafter aber, der sich gegen die heute noch von der Mehrheit akzeptierten Meinung stellt, riskiert Kopf und Kragen. Er verliert seinen guten Ruf, die lukrativen Forschungsaufträge und meist auch noch seine Position. Sollten ihn diese Strafen nicht 'auf den rechten Kurs' zurückgezwungen haben, so wird er öffentlich lächerlich gemacht und von den eigenen Wissenschaftskreisen als Ausgestoßener behandelt.
Ich frage Sie, weshalb sollte ein Wissenschafter all dies freiwillig auf sich nehmen, wenn nicht um der Wahrheit und seines Gewissens willen?
[1] Aus: Mobilfunk-Newsletter der Bürgerwelle e.V. vom 8.2.2004 (Quelle: Kornherr)
[2] Siehe auch E. Schöndorfs spannendes Buch zum Thema: „Von Menschen und Ratten“, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1998
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