BETROFFENE
Aus dem Tagebuch eines Elektrosensiblen:
Tortur wegen mobilem Internet
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Die Vorgeschichte: Zweimal Flucht vor Antennen
Oft sind die Begründer mobilfunkkritischer Organisationen selber hochgradig elektrosensibel, so auch Philippe Hug. Im Jahre 2003 musste er das erste Mal fliehen, weil im nahen Kirchturm Mobilfunkantennen installiert worden waren. In einem Juradorf an der Landesgrenze fand er eine neue Wohnung mit sehr wenig Strahlung. Er erholte sich zusehends. „Vor dem 3. Oktober 2005 hatte ich wieder einen leidlich guten Gesundheitszustand erreicht“, notierte er. Die Messwerte betrugen im Schlafzimmer weniger als einen Tausendstel des Schweizer Grenzwertes, der für die Strahlung einer einzelnen Mobilfunk-Sendeanlage gilt.
Doch im August-September 2005 wurde auf der nahen Turnhalle der erste Sendemast im Dorf errichtet. Der Probebetrieb wurde aufgenommen. „Am 25. Oktober Arztvisite. Nach der Rückkehr setze ich mich an die Arbeit. Da, plötzlich der Schmerz an der rechten Schläfe, den ich so gut kenne. Ich eile zum Messgerät: Die Antennen sind eingeschaltet worden! Am Abend grosse Einschlafschwierigkeiten. – Vom 26. auf den 27. bin ich sechsmal aufgewacht. Am 27. plötzliche Zunahme meines Ohrenpfeifens; Kopfschmerzen. ES FÄNGT WIEDER AN!“
Am 28. flieht er zu einem Freund jenseits der Grenze und bleibt dort bei nahezu Null Strahlung, nachdem dieser ihm zuliebe sein Funktelefon durch das alte Schnurtelefon ersetzt hat. „Welch ein GLÜCK! Jede Nacht acht bis neun Stunden perfekter Schlaf. Ich träume wieder. Ich habe viel weniger Augenprobleme, obwohl ich zehn Tage lang nichts als lese. Nach 4 bis 5 Tagen ist mein Ohrenpfeifen auf ein derart tiefes Niveau abgesunken, wie ich es bisher nicht kannte. Keine Hüftschmerzen mehr trotz einem 3 km langen Fussmarsch.“
Aber dann muss er zurück in seine Wohnung. Und schon beginnen wieder Kopf- und Unterleibsschmerzen, Schlafstörungen, Reizbarkeit, starkes Ohrenpfeifen, Sehstörungen, Jucken in der Nasenschleimhaut, Nierenschmerzen, Schmerzen in der Lebergegend, eins nach dem andern. „Ab dem 13. November Müdigkeit. Ich kriege die Gedanken nicht mehr zusammen. Gegen das Ende des Tages verschwimmt die Tastatur.“ Es folgen Gleichgewichtsstörungen beim Aufstehen, verstärkte Eingeweideschmerzen, schlechter Schlaf ohne Erholung, keine Träume mehr. „Ab dem 16. November Momente völligen Gleichgewichtsverlustes, sogar Sturz nach hinten. Nase verstopft, Lippen rissig. Reizbarkeitsgefühl. Starker Nachtschweiss.“ Dann Konzentrations- und Augenprobleme, heftiger Kopfschmerz an der rechten Schläfe, Jucken an verschiedenen Stellen, Appetitverlust, Übelkeit, Depressivitätsgefühl, Augenstechen. „Am 27. noch längerdauernde und heftigere Kopf- und Augenschmerzen. Ich fahre weg über die Grenze. Erst nach 4 Stunden lassen die Schmerzen nach. Zurück in der Wohnung sind die Symptome bald wieder da. Es ist eine wahre Tortur. Ich kann nicht mehr recht arbeiten, keinen zusammenhängenden Gedanken fassen. Um 18.30 falle ich halbtot ins Bett.“
Im Dezember 2005 wird die Strahlung im Schlafzimmer gemessen. Die Messung ergibt einen hundert Mal höheren Strahlungswert als vor dem Bau der nahen GSM900-Antenne. Zwar liegt dieser Strahlungswert immer noch bloss bei einem Zwanzigstel des gesetzlichen Grenzwertes von 4 Volt pro Meter. Aber es ist exakt der Strahlungswert, ab dem – gemäss den baubiologischen Richtwerten – für empfindliche Menschen nur eine sofortige Sanierung oder der Wegzug in Frage kommt, nämlich 0.2 V/m.
Mittels 60 m2 Abschirmgewebe (mit versilberten Kupferfäden verwobene, baumwollene Textilbahnen, Wert rund Fr. 3'000.-) an Decke und antennenseitigen Wänden der Wohnung kann der Strahlungswert um den Faktor fünf auf knapp 0.04 V/m reduziert werden. Das ist zwar gemäss den baubiologischen Richtwerten immer noch zu hoch für Beschwerdefreiheit. Aber man kann hoffen, dass eine gewisse Erholung doch wieder möglich sein wird.
Tatsächlich bessert sich der Gesundheitszustand allmählich. Aber die Symptome verschwinden nicht ganz. Es bleibt ein täglicher Kampf um gedankliche Konzentration in der anspruchsvollen Arbeit des Sichtens wissenschaftlicher Studien über Strahlungsauswirkungen, des Schreibens von Briefen an Verantwortliche, des Vorbereitens von Referaten, des Verkehrs mit Ärzten, Rechtsanwälten und Gerichten in Bezug auf den eigenen Fall und als Hilfe für andere Betroffene...
Den Ausschlag zum Entschluss, auch von diesem Ort wiederum wegzuziehen, geben schliesslich in den Nachbarwohnungen zunehmend installierte DECT-Funktelefone und WLAN-Anlagen. Diese haben eine erneute, fast unerträgliche Verstärkung der Symptome zur Folge.
In einem abgelegenen Weiler derselben Gemeinde findet Philippe Hug seine dritte Wohnung, weitab von allen Antennen. Und das Leben kehrt zurück! Er schöpft wieder Hoffnung, kann die aufreibende Arbeit immer besser bewältigen.
Mobiles Internet: Die Katastrophe
Bis Mitte 2008 ein Anruf kommt. „Jetzt haben wir die Katastrophe. Hör mal...“, und er hält den Lautsprecher seines Messgerätes an den Telefonhörer: Starke GSM-Mobilfunkstrahlung! Der bekannte 217 Hertz-Ton der Handys, diesmal jedoch mit einer den Funkwellen zusätzlich aufgeprägten 8⅓ Hertz-Pulsung – innerhalb der Alpha-Gehirnwellenfrequenz von 8 bis 12 Hertz! Dieselbe Pulsung, welche aus der Presse durch die im bayrischen Oberammergau bei Antennenanwohnern verursachten, schweren Gesundheitsprobleme bekannt geworden ist. Er misst Strahlungswerte bis zu 0.7 V/m, und das ist für Elektrosensible nicht auszuhalten. Woher plötzlich diese Strahlung in dieser Stärke?
Der Grund ist bald gefunden: das von den Mobilfunkbetreibern anfangs 2008 auf den Markt geworfene „mobile Internet“. Man steckt ein kleines Zusatzgerät an den Laptop-Computer und kann nun überall, wo immer man sich befindet, drahtlose Internet-Verbindung aufnehmen. Die Verbindung wird automatisch über jenes Netz aufgebaut, das gerade die beste Übertragungsqualität bietet: GSM (GPRS oder EDGE), UMTS, eventuell WLAN.
Das also ist die Ursache: Der mittels mobilem Internet-Zusatz zur „Strahlungsbombe“ gewordene Laptop-Computer der Wohnungsnachbarin, etwa eine Stunde jeden Tag...
Philippe Hug schreibt über seine neue Erfahrung am 26. Juli 2008. Jetzt lässt er das Messgerät dauernd eingeschaltet. Den Messgeräte-Lautsprecher stellt er so ein, dass man die weit entfernten, schwach einstrahlenden Antennen gerade nicht mehr hört. Aber das mobile Internet der Nachbarin lässt den Lautsprecher sogleich aufheulen: „Sobald das Gerät Lärm macht, fliehe ich sofort in die Küche“ – die Nachbarin arbeitet in ihrer Wohnung direkt unter seinem Arbeitszimmer, und wenn er sich der Strahlung durch Flucht augenblicklich entzieht, kann er das Schlimmste abwenden – „aber ich kann nicht mehr arbeiten. Welche Qual [quel calvaire]... Zusätzlich zu den 217 Hertz ist da ein trockenes tac-tac-tac, nicht immer, aber das mir ans Lebendige geht. – Meine Symptome variieren je nach Sendeleistung, Übertragungssystem und Expositionszeit. Zusammengefasst: Kopfschmerzen, Schmerzen um eine Augenhöhle herum, Schlafstörungen, sich verstärkendes Ohrenpfeifen, Nachtschweiss, Harndrang, Blähungen, verstopfte Nase und blutiges Nasensekret, Husten und Atemnot, Sehstörungen, schwitzende Handinnenflächen (ich muss mir immer wieder die Hände waschen), Tendenz zu Durchfall, depressive Stimmung, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Ehrlich, ich weiss nicht mehr weiter. Heute früh hat die Nachbarin ihr mobiles Internet von 7.30 bis 8.30 Uhr betrieben. Und ich bin für den Rest des Tages erledigt. – Ach ja, ein weiteres schreckliches Symptom: wenn ich mich ans Essen setze, schliesst sich die Speiseröhre nach dem ersten Bissen und schmerzt manchmal sehr. Dann muss ich 10 bis 20 Minuten lang Speichel spucken. Es ist abscheulich. Ich verliere unglaublich viel Zeit bei meiner Arbeit... Wahrhaftig, es ist kein Leben... Mein Advokat sagt, wenn ein Arzt in der Zeitung lügt [Anspielung auf einen Zeitungsartikel, der die Existenz von Elektrosensibilität bestreitet], so kann man nichts machen. Schöne Aussichten! – Ist das bald das Ende?“
Die schwierige Frage nach dem Sinn dieses Leidens
Quel calvaire... Ja, ein Kreuzesweg. Viele elektrosensible Menschen erleben es so. Manche sprechen auch von dauernder Folter. Sie gehen mit ihrem Leiden sehr unterschiedlich um. Zwischen Resignation, Hader, Depression, Suizidgedanken auf der einen Seite und mutigem, tatkräftigem Versuch der Bewältigung dieses Schicksals auf der anderen Seite gibt es alle Lebenshaltungen – wie bei jedem Leiden.
Nur: die meisten anderen Leidensursachen – anerkannte Krankheiten, Behinderungen, Naturkatastrophen, Krieg – sind öffentlich oder gesamtgesellschaftlich anerkannt. Sie erregen Mitleid und lösen Spende- und Helferwillen aus. Nicht so das Leiden am Elektromagnetismus, vor allem nicht dasjenige an der Mobilfunkstrahlung. Elektrosensible erfahren im Alltag fast immer Unglauben, Ablehnung, Misstrauen, ja sogar Hohn und Spott und Aggression. Diese Reaktionen der „Anderen“ haben einen ganzen Komplex von Ursachen:
- Man kann mit seinen äusseren Sinnen die Strahlungen und Felder nicht wahrnehmen.
- Als vermeintliche Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit wird missverstanden, wenn Elektrosensible die drahtlosen Kommunikationsmittel nicht nutzen oder gar davor fliehen.
- Viele Leute haben Angst, man wolle ihnen etwas wegnehmen, was ihnen bequem oder nötig scheint oder ohne das sie nicht mehr leben zu können meinen – denken wir nur daran, dass manche, vor allem auch Jugendliche, es ohne Handy kaum mehr aushalten.
- Andere wiederum können oder wollen einfach nicht glauben, dass der Staat uns in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen einer der wichtigsten modernen Technologien völlig schutzlos lässt.
- Nicht zuletzt wird von den Mobilfunkbetreibern die Meinung verbreitet und leider immer noch von einem grossen Teil der Ärzteschaft mitvertreten, Beschwerden infolge Mobilfunkstrahlung gehörten in den Bereich der Psychiatrie; anders gesagt, das Leiden der Elektrosensiblen sei bloss eingebildet oder allenfalls psychosomatisch bedingt.
Im alltäglichen Erleben solcher Reaktionen Anderer ziehen sich viele Elektrosensible von ihrer Umwelt zurück. Sie rechnen schon gar nicht mehr damit, ernst genommen zu werden. Sie verschliessen sich ganz oder versuchen zumindest, ihr Leiden nach aussen zu verbergen. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist ebenfalls ein häufiger Grund für das Schweigen.
Zur körperlichen Belastung kommt die seelische hinzu, und diese gleich mit dreifacher Ursache: Depressive Stimmungen entstehen erstens unmittelbar durch die Einwirkungen der Strahlung auf das Gehirn (oft wie „von aussen angeworfen“ empfunden); zweitens als Folge des nie enden wollenden, täglichen und vor allem nächtlichen Leidens; drittens durch die soziale Ausgrenzung, die ein elektrosensibler Mensch oft erfährt.
Es gibt aber Elektrosensible – ich habe selber solche kennengelernt – die ihren Weg positiv annehmen und im Alltagsleben zu bewältigen suchen. Zuweilen sprechen sie sogar von einer gewissen Dankbarkeit dem Schicksal gegenüber, wenn sie ihre Elektrosensibilität nicht bloss als Last und Leidensursache empfinden können, sondern eine Chance sehen in der erweiterten Wahrnehmungsfähigkeit, die ihnen zu einem umfassenderen Bewusstsein verhilft. Mit Hochachtung steht man vor einer solchen Haltung. Aktives Annehmen des eigenen Schicksals als Chance – ist das nicht eine der grossen und oftmals schweren Aufgaben eines Menschenlebens?
Aber auch dort, wo Menschen dieses Schicksal nicht akzeptieren und in mutigem Ringen zu bewältigen suchen, sondern in innerer Auflehnung leiden oder resignieren, ist nichts anderes angebracht als Verständnis und Hilfe. Doch diese Hilfe ist manchmal nicht leicht zu geben. Die Wirkung von Abschirmungen reicht für Beschwerdefreiheit nicht immer aus. Der Rat wegzuziehen lässt die Betroffenen oft ratlos, weil sie nicht mehr wissen wohin.
Immerhin kann Erleichterung geschaffen werden, wo es nach einer orientierenden Strahlungsmessung gelingt, in den umliegenden Wohnungen die Schnurlostelefone zu eliminieren und die Besitzer eines WLAN-Routers zu überzeugen, diesen zumindest bei Nichtgebrauch abzuschalten oder – besser – durch eine Kabel-Internetverbindung zu ersetzen. Es braucht jedoch nur einer der Nachbarn dabei nicht mitzumachen, und der Erfolg ist in Frage gestellt. Oft fühlen sich elektrosensible Menschen indessen durch die messtechnische Bestätigung, dass ihre Beschwerden einen realen Grund haben und nicht eingebildet sind, wirksam gestützt. Das durch diese Bestätigung wiedergewonnene Selbstvertrauen ist die Grundlage, mit den Nachbarn Kontakt aufzunehmen und zuversichtlicher an die Bewältigung der täglichen Anforderungen zu gehen.
Die gesellschaftlich-politische Dimension der Elektrosensibilität
Die Elektrosensiblen sind nur die Spitze des zum grössten Teil unter der Wasseroberfläche verborgenen Eisbergs. Sie sind gewissermassen ein „Frühwarnsystem“ für unser Gesundheitswesen. Statt sie auszugrenzen, sollten wir sie ernst nehmen und ihnen sogar dankbar sein. Ihr Leiden warnt uns vor den Gesundheitsrisiken, die durch die immer schneller anwachsenden elektromagnetischen Felder und Strahlungen einem immer grösseren Teil der Bevölkerung drohen.
Diese Warnung sollte uns zur Aktivität veranlassen. Als Bürger haben wir die Aufgabe, im zwischenmenschlichen Alltag und wo irgend möglich auch öffentlich für eine Änderung der Zustände zu wirken. Das ist indessen gerade auf dem Gebiet des „Elektrosmogs“ besonders schwer. Denn wer sich in dieser Richtung einsetzen will, sieht sich bald konfrontiert mit einer Bevölkerungsmehrheit, die sich die faszinierenden drahtlosen Annehmlichkeiten, welche ihr die Industrie mit listenreicher Werbung aufdrängt, nicht mehr nehmen lassen will und deshalb die Beteuerungen von Industrie und Behörden, dass Mobilfunk unschädlich sei, willig glaubt.
In diesem schwierigen Umfeld versucht Philippe Hug erneut und mittlerweile verzweifelt, bei den Behörden Gehör für seine Situation zu finden – die Situation Tausender allein in der Schweiz! Unter anderem schreibt er in einem Offenen Brief vom 22. Oktober 2008 an den Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartementes DSAS im Kanton Waadt:
„... Dennoch habe ich in unserem Rechtsstaat das Recht auf Achtung meines Wohnsitzes, meines Privatlebens und meiner körperlichen Unversehrtheit. Die schädlichen Immissionen müssen daher als Einbruch in meine Wohnstätte betrachtet werden, auch wenn es gesetzlich erlaubt ist. Deshalb, und weil ich nicht dauernd von den für mich gefährlich gewordenen Orten fliehen kann, ersuche ich Ihre Behörde, mir eine vor den elektromagnetischen Feldern geschützte Wohnung zu verschaffen, wie es zum Beispiel in Schweden gemacht wird. Da die Elektrosensibilität in der Schweiz als solche anerkannt ist, muss für die Opfer dieser neuartigen, in steter Zunahme begriffenen Umweltbelastung unverzüglich eine Lösung gefunden werden...“.
Da liegt der Kern des Problems. Bezüglich der Auswirkungen der Strahlung ist unser Rechtsstaat durch die rasend schnelle Entwicklung der drahtlosen Techniken zum Unrechtsstaat geworden, weil er – beeinflusst von der mächtigen Mobilfunkindustrie – dieser Entwicklung tatenlos zuschaut oder sie gar stützt. Noch keine Beachtung, geschweige denn Nachahmung hat bei uns das Vorbild Schwedens gefunden, wo Elektrosensible vom Staat als Behinderte anerkannt werden. Diese Anerkennung wäre für Tausende eine grosse Hilfe in ihrem immer schwieriger werdenden Leben, je stärker sich der „Elektrosmog“ verdichtet. Ist sie aber nicht bloss eine Notlösung? Denn wenn zugleich die Industrie unbehindert ihre Mobilfunknetze weiter ausbauen und die Drahtlosgeräte verkaufen kann, wird diese Anerkennung nutzlos, denn es gibt in bewohnbaren Gebieten unseres Landes bald keine „Funklöcher“ und auch keine unbelasteten Räume in Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln mehr. Noch ist kaum bekannt, dass zahlreiche Elektrosensible heute nicht mehr mit der Bahn fahren können.
Menschen wie Philippe Hug brauchen also raschen und wirksamen Schutz und Hilfe, damit sie in der heutigen Funkwelt menschenwürdig leben oder gar überleben können. Doch das genügt nicht. Es führt kein Weg am drastischen Abbau der für immer mehr Menschen unerträglich werdenden Funkbelastung vorbei. Und da der Staat, statt die Einwohner zu schützen, die Erhöhung dieser Belastung duldet, ja sogar dazu beiträgt, müssen wir uns selber wehren. „Wir“, das sind die Betroffenen und alle, die erkannt haben, was hier vorgeht.
Peter Schlegel
Advent 2008
Anhang:
Offener Brief von Philippe Hug vom 22.10.08 an Herrn P.-Y. Maillard,
Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartementes DSAS, Kanton Waadt
Elektrosmog von Sparlampen:
Ein weiterer Erfahrungsbericht
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Mail an die Bürgerwelle Schweiz
28.10.2008
„Ich stand letzen Freitag nichts ahnend an einem Schalter und fühlte plötzlich einen Druck-Schmerz im Kopf. Diese Art Schmerz kenne ich gut. Er stammt regelmässig von Energiesparlampen. Draussen schien die Sonne. Ich konnte also wirklich nicht wissen, dass in diesem öffentlichen Raum wenige Sparlampen eingeschaltet waren. Auf diese wurde ich wie immer durch meinen Schmerz im Kopf aufmerksam. Erst jetzt schaute ich hinauf und stellte einmal mehr fest: Elektrosmog ist keine Einbildung!
Ich frage mich nur, welche Lampen ich künftig kaufen kann!
Verena Berger, Wettswil“
Kommentar der Bürgerwelle Schweiz:
Es mag erstaunen, dass hier eine bestimmte Art von Beschwerdesymptomen einer bestimmten Ursache – hier den Sparlampen – zugeordnet werden kann. Für messtechnisch arbeitende Baubiologen ist das jedoch nichts Ungewöhnliches. Oftmals trifft man auf elektrosensible Menschen, die aufgrund ihrer Erfahrung anhand der Art einer plötzlich auftretenden Beschwerde die verursachende Feld- oder Strahlungsquelle „blind“ und recht zuverlässig identifizieren können. Denn zuerst ist jeweils die Wahrnehmung da, zu der nachher in der Umgebung die Quelle gesucht wird.
Dies ist ein weiterer Hinweis dafür, dass es sich bei solchen Beschwerden in der Regel nicht um einen psychisch bedingten sogenannten Nocebo-Effekt, sondern um physiologische Wirkungen handelt. Der individuelle Organismus antwortet auf unterschiedliche Feld- und Strahlungseigenschaften (niederfrequente Pulsung; Struktur der Einzelsignale) in individuell-charakteristischer Weise.
www.buergerwelle-schweiz.org
18.11.08
Das Ding...
Erfahrungsbericht einer Elektrosensiblen. Ein Essay.
Mein Handy habe ich immer zurückhaltend benutzt. Vor sieben Jahren hatte ich mir eins für die Arbeit gekauft, da ich viel reiste und schlecht erreichbar war. In der letzten Zeit brauchte ich es immer seltener, täglich noch für ein paar SMS und wenige Sekunden Telefongesprächszeit. Jetzt möchte ich versuchen, es ganz los zu werden, obwohl meine Freunde im Chor verkünden, eine Berufstätige ohne Handy gebe es doch heute ganz einfach nicht mehr.
„Das Ding“ ist ausserordentlich bequem. Wir wissen es alle; die funktionellen und symbolischen Gründe für seinen Erfolg brauchen wir hier nicht darzulegen. Wir stellen einfach fest: „Das Ding“ hat sich unmerklich in den Sitten und Gebräuchen von uns allen derart eingenistet, dass man bezweifeln könnte, ob es vor seinem Erscheinen schon irgend eine Art von Leben oder menschlicher Beziehung auf der Erde gegeben habe.
Dennoch schaffen es einige Menschen, ohne „das Ding“ zu leben; die einen aus ideellen Gründen, andere zum Schutz ihrer Intimsphäre, wieder andere dank eines Lebensstils, der es ihnen erlaubt, darauf zu verzichten. Ist es andererseits nicht seltsam: Oft hört man (unabhängig von sozialem Stand und realem Einkommen) den Ausspruch, man könne es sich nicht leisten, „Bio“ zu essen. Aber ich habe noch nie jemanden sagen hören, er könne sich „das Ding“ nicht leisten.
Es scheint also, dass „das Ding“ zwar zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dass es aber doch auch Menschen gibt, die nicht Eigentümer einer Mobiltelefonnummer sind und diesen Zustand individuell bewusst und frei gewählt haben. Und ihr werdet sagen: Warum so viel Aufhebens, wenn doch jeder für sich selbst, in seinem Leben als Mann oder Frau, frei wählen kann, ob er den Alltag mit oder ohne „das Ding“ bewältigen will?
Frei wählen? – Nun, so ist es eben gerade nicht.
Mir wurde der Gebrauch des „Dings“ verboten. Ihr denkt vielleicht von einem Ehegatten, der es satt hat, gesalzene Rechnungen zu bezahlen; von Freundinnen, die sich darüber ärgern, dass sie nie einen Augenblick der Intimität mit mir teilen können; von der Polizei, die mich ein paar Mal telefonierend am Steuer erwischt habe; von irgend einem moralisierenden Freund... oh nein, nichts dergleichen. Der Gebrauch des „Dings“ ist mir ganz einfach vom Arzt verboten worden! – Ihr mögt euch fragen, wie das denn möglich sei, da ich es ja bloss zurückhaltend benütze...
„Liebe Frau, vergessen Sie 'das Ding', ich bitte Sie, vergessen Sie es!“
Er war der vierte Arzt, den ich im Verlauf weniger Wochen aufsuchte. Aber es war das erste Mal, dass man in einem derart drohenden Ton zu mir sprach. Die Entschlossenheit seiner Worte und der Ton seiner Stimme waren beeindruckend. Doch auch er hatte ein „Ding“, das gerade neben ihm auf dem Tisch lag, bereit, jederzeit loszuklingeln. Warum also ausgerechnet ein solches Verbot für mich?
In den letzten Jahren hatte ich selten einen Arzt besucht, aber jetzt genügten die sonntäglichen Wanderungen in den Bergen nicht mehr, um mich zu erholen. Ich fühlte mich immer müder.
Obwohl die ersten drei Ärzte ganz verschiedene Überzeugungen hatten, waren sie sich doch darin einig, dass meinen Symptomen kaum Bedeutung beizumessen sei. Für sie handelte es sich einfach um Müdigkeit, Ferienbedarf, Angstzustände, Enttäuschung in der Liebe... Bei jeder weiteren Konsultation versuchte ich präziser zu schildern, was ich empfand: Kopfschmerzen wie bei Sonnenstich, nächtliches Herzrasen, Schlaflosigkeit, Händezittern...
Jeden Tag empfand ich stärker, wie meine Körperzellen „verkehrt herum ruderten“, sodass ich bald jede Hoffnung verlor, sie würden eines Tages wieder umdrehen.
Im Zuge meiner Versuche, zu begreifen was mit mir geschah, entschloss ich mich eines Tages, einen Messbericht über die elektrischen und magnetischen Felder in meinem Büro anfertigen zu lassen. Diesen Entschluss fasste ich ohne Rücksicht auf die Kosten einer solchen Unternehmung. Denn unter all den Symptomen, die mich plagten, war das ungewöhnlichste das sonderbare Gefühl, besonders empfindlich auf elektrische Felder zu sein. Ich fühlte mich wie von elektrischen Schlägen durchzuckt und von stärkeren oder schwächeren Feldern durchdrungen. Das von Grafiken, Tabellen und Berechnungen strotzende Gutachten kam zum folgenden Schluss: In den untersuchten Räumen bestehen elektromagnetische Felder von beträchtlicher Stärke, die aber jedenfalls den gesetzlichen Grenzwert nicht überschreiten. Ich setzte mich in Verbindung mit dem Gutachter und bat ihn um weitere Erklärungen. Insgeheim hoffte ich, nun endlich die Informationen zu erhalten, die mir die drei ersten Ärzte nicht hatten geben können. „Liebe Frau, seit zwei Jahren bin ich unterwegs, um Berichte zu machen über Fälle, wie Sie einer sind. Ich könnte Bücher darüber schreiben.“ - „Aha“, antwortete ich begeistert, weil ich offenbar die richtige Person zur Lösung des Rätsels gefunden hatte, „könnten Sie mich also mit meinesgleichen für einen Informationsaustausch in Verbindung bringen?“ - „Sehen Sie“, antwortete der Gutachter, „es gibt zwar tatsächlich eine andere Frau in Ihrem Häuserblock, die vor kurzem einen gleichartigen Bericht von mir verlangt hat, aber aus Gründen der beruflichen Korrektheit kann ich Ihnen darüber nichts sagen.“
Entmutigt ob dieser Art von Zusammenarbeit des „offiziellen“ Gutachters, aber immerhin im Besitz der Bestätigung, dass es sich um ein Problem mit elektromagnetischen Wellen handelte, beschloss ich, einen „Geobiologen“ zu kontaktieren – eine Person also, die imstande war, die Schwingungen der Erden- und der Himmelswelt in Harmonie zu bringen. Denn in der Tat, wenn es sich um eine Belastung durch elektrische und magnetische Felder handelte, so musste es doch möglich sein, diese mit anderen Feldern zu bekämpfen. Und so liess ich mich denn in die (teure) Welt der „Formwellen“, in die Schwingungsfelder kostbarer Mineralien, in das Klingen irdischer Brünnchen und himmlischer Bilder entführen... Aber es wurde mir auch recht deutlich gesagt, dass der „kosmische Bausatz“ nur wirksam sein konnte, wenn ich mich zugleich „ernsthaft“ auf einen spirituellen Weg begab... Mein Weg war wohl recht wenig ernsthaft, denn der Gesundheitszustand wurde immer prekärer. Ich kam zur Einsicht, dass ich meine Anwesenheit im Büro von 8 auf 4 Stunden, dann von 4 auf 2, schliesslich von zwei auf eine Stunde reduzieren musste. Am Schluss waren es täglich noch ein paar Minuten zum Abholen der Post.
In jenen Tagen besuchte ich den Vortrag eines Spezialisten, eines seit Jahren unabhängigen Forschers am CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique). Der Vortrag war zu einem grossen Teil den Wirkungen der von den Mobilfunkantennen ausgehenden elektromagnetischen Felder auf den Menschen gewidmet. Welche Überraschung für mich, zu entdecken, wie all die Symptome, an denen ich litt, vom Vortragsredner wissenschaftlich präzis aufgezählt und beschrieben wurden! Natürlich wandelte sich die Überraschung sogleich in Angst beim Gedanken an die mögliche Weiterentwicklung solcher Symptome zu schweren Krankheiten, oftmals die Folge einer Funktionsstörung der Zirbeldrüse, des Zentrums des Gehirns, der „Seele des Körpers“, des für elektromagnetische Felder empfindlichsten Organs des menschlichen Körpers.
Nun entschloss ich mich, weitere Messungen machen zu lassen, diesmal durch einen anderen, weniger kostspieligen und auch sympathischeren Gutachter mit der Bereitschaft, ein Gespräch zu führen und jemanden wirklich anzuhören, der unter den Symptomen und der Entwicklung dieser neuen, seltsamen Krankheit der Elektrosensibilität leidet – eine Krankheit, die in vielen Ländern zur Gründung von Vereinigungen führte, in denen sich die Menschen fanden, welche dieselbe Krankheit haben, oder genauer: welche durch andauernden und intensiven Kontakt mit hoch- oder niederfrequenten elektromagnetischen Feldern zu diesem Leiden gekommen sind.
Die neuen Messungen liess ich diesmal nicht nur in meinem Büro in der Stadt, sondern auch zu Hause machen, um die Daten vergleichen zu können. Die Messresultate im Büro waren – vielleicht wegen eines zeitweise stärkeren Gesprächsverkehrs auf den Mobilfunkfrequenzen – noch besorgniserregender als diejenigen des ersten Gutachtens, sodass in mir sogar ein gewisser Zweifel am Gutachter selbst entstand. Ich sagte mir dann, es möge eben Situationen mit besonders hoher elektromagnetischer Belastung geben, die aber immer unterhalb der Grenzwerte bleibt, wenn auch vielleicht nur knapp.
Wer elektrosensibel wird, entwickelt in der Begegnung mit elektromagnetischen Feldern besondere Wahrnehmungsfähigkeiten, und so kommt es, dass ein hypersensitiv gewordener Mensch oftmals mit geschlossenen Augen die Gegenwart und die Wirkung von Hochspannungsleitungen, von Mobilfunkantennen und auch von WLAN-Anlagen, Schnurlostelefonen und dergleichen spüren kann.
Wegen eben dieser Hypersensitivität hatte ich zuhause wahrgenommen, dass in denjenigen Räumen meiner Wohnung, die nach Osten exponiert sind, eine elektromagnetische Belastung vorhanden sein könnte, auch wenn diese entschieden schwächer war als in meinen städtischen Büroräumlichkeiten. Dies wurde mir denn auch durch die Messungen des Gutachters mit Präzision bestätigt. Ich fragte also bei unserem Gemeindebauamt nach dem Aufstellort einer Mobilfunkantenne. Man antwortete mir, dass es auf unserem Gemeindegebiet keine solche gebe. Hierauf rief ich bei der Nachbargemeinde an. Da erfuhr ich, dass eine Antenne von der und der Sendeleistung vorhanden sei, doch das brauche mich nicht zu beunruhigen, weil diese Antenne zur Nachbargemeinde hinüber strahle (nämlich zur meinigen...).
Vor wenig mehr als 50 Jahren durchquerten zahlreiche Eisenbahnzüge Europa, zum Bersten gefüllt mit Männern, Frauen und Kindern, die nie mehr zurückkehrten... Zu Recht gibt es heute dafür keine Entschuldigung, und man blickt mit grösster Strenge auf diejenigen, die mehr oder weniger bewusst mit diesen Transporten zu tun hatten.
Es bleibt mir nur noch die Hoffnung, dass unsere Ärzte, Techniker, Beamte, Politiker und alle Menschen, die der Bevölkerung gegenüber Verantwortung tragen, sich der durch die neuen Technologien über kurz oder lang verursachten Gesundheitsschäden bewusst sind – Gesundheitsschäden, von denen vielleicht nicht alle Bürger, aber mit Sicherheit ein grosser Teil von uns allen betroffen sein werden.
Denn die wunderbare Reise in der virtuellen elektronischen Welt könnte sich in einen furchtbar realen, kollektiven Alptraum verwandeln – in einen Alptraum, wie er für einige von uns bereits heute Wirklichkeit ist.
April 2008
Kommentar der Bürgerwelle Schweiz:
Die Autorin hat allgemein eine hohe Wahrnehmungsfähigkeit für die Äusserungen ihrer Umwelt. Sie geht mit ihren Wahrnehmungen differenziert und kritisch – auch selbstkritisch – um. Seit der massiven Strahlungsexposition (nahezu 1 V/m) in ihrem städtischen Büro ist eine ausgeprägte Elektrosensibilität dazu gekommen. Hierauf hat sie ihr Büro nach Hause verlegt. Dort hat jedoch in diesen Monaten ein nahegelegener Mobilfunk-Sendemast zusätzlich zum bisherigen GSM-Betrieb auch mit UMTS zu senden begonnen. Um dort weiterhin leben und arbeiten zu können, ist sie jetzt gezwungen, ihre Wohnung gegen die Strahlung abzuschirmen. – Aus beruflichen Gründen hat sie uns gebeten, anonym bleiben zu dürfen.
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Gesundheitsprobleme wegen Energiesparlampen: Drei Fallbeispiele
die drei Fallbeispiele als pdf-Datei
5. Mai 2007
Guten Tag Herr Schlegel
Mit grossem Interesse las ich Ihr Interview im K-Tipp über die Strahlung von Sparlampen.
Mein Sohn (21) hatte bis anhin eine Tischleuchte mit Sparlampe. Er klagte oft über heftige Kopfschmerzen, unausstehliche Migräne und starkes Augenleiden. Die Distanz zur Tischleuchte betrug ca. 30 cm.
Wir wussten natürlich nichts über die starken Strahlungen, welche solche Lampen von sich geben und sandten ihn daher zum Augenarzt, welcher nur eine minime Korrektur für die Brillengläser verschrieb. Selbst hatte der Arzt keine Erklärung. Unser Sohn erlebte wirklich alle Symptome, die Sie im Artikel beschrieben haben.
Nun haben wir ihm eine neue 230 Volt-Halogen-Tischlampe gekauft – und sämtliche Beschwerden sind vorbei.
Dieter Aeppli, 8117 Fällanden
3. Juli 2007 Sehr geehrter Herr Schlegel
Zu Ihrem Artikel über die Energiesparlampen habe ich Ihnen schon vor längerem folgendes mitteilen wollen.
Seit Jahren rate ich den Eltern meiner Schulkinder, keine Sparlampen im Lernbereich zu verwenden. Denn in der Nähe einer Sparlampe lässt mein Gehirn beim konzentrierten Arbeiten alle 10-15 Minuten eine Sequenz der totalen Dunkelheit entstehen, d.h. ich sehe für einen Augenblick überhaupt nichts, obwohl die Lampe eingeschaltet ist. „Sequenz“ heisst einen Augenblick lang, ganz kurz, Bruchteil einer Sekunde, doch es unterbricht einen Gedankengang, bringt den Arbeitsfluss zum Stocken. Wenn dies 3-4mal pro Stunde geschieht, so ist ein konzentriertes Arbeiten nicht möglich.
Das habe ich festgestellt vor ca. 4-5 Jahren. Ob das bei jeder Sparlampe der Fall ist, kann ich nicht sagen, denn ich meide sie seither. Diese Sequenzen der Dunkelheit sind ein Unfallrisiko und ein Unruhefaktor beim Lernen.
Danke für Ihre Arbeit.
Jana Siegfried
10. Juli 2007
Sehr geehrter Herr Schlegel!
Mit Enthusiasmus hatte ich Energiesparlampen gekauft in der Absicht, wenigstens einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Leider musste ich, obwohl ich es lange nicht wahrhaben wollte, feststellen, dass ich mich mehr und mehr schlecht fühlte, wenn ich abends unter der Stehleuchte mit Sparlampe las. Meine Augen wurden bleischwer, ich konnte samt Brille kaum mehr sehen. Im Nacken fröstelte es mich und gleichzeitig schwitzte ich. Nachher lag ich todmüde im Bett, aber konnte nicht schlafen. Hinzu kam eine nie gekannte „Gedankenleere“.
Ich bin zwar 70 Jahre alt, aber dennoch selbstkritisch genug, um nicht wegen jedem „Bobo“ zu hyperventilieren, finde es aber nicht in Ordnung, Menschen, die unerklärliches Unwohlsein äussern, das so oft auch mit Ängsten verbunden ist, mit der Sensibilität eines Traktors zu „überfahren“.
Irgendwann habe ich (versuchsweise) die Sparlampen wieder gegen normale Glühbirnen ausgetauscht – und mein Befinden normalisierte sich wieder! Das war noch bevor ich den Artikel über Energiesparlampen im „Bund“ vom 21. Juni 2007 las.
Mit freundlichen Grüssen
J. Kolberg-Juen, Dipl. Krankenschwester, CH-1700 Fribourg
(Aus dem Alltag der Bürgerwelle Schweiz)
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„Burnout“ durch Elektrosmog – ein Erlebnisbericht
Warum man von DECT-Schnurlostelefonen unbedingt die Finger lassen sollte
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Hätte mir jemand zum Zeitpunkt meiner Erkrankung gesagt, mein Gesundheitszustand sei durch ein blödes, modernes Telefon ausgelöst worden, so hätte ich nicht mal darüber lachen können. Denn zu jenem Zeitpunkt war ich depressiv. Ich hätte vielleicht gerade noch die Energie aufgebracht, den Kopf zu schütteln über derartige Albernheiten.
Trotzdem. Es war so. Ich hatte ja schon den Verdacht, dass ich mit dem, was mir als „Burnout“ vorkam, eine für mich eher untypische Krankheit ausbildete. Schliesslich war ich nie depressiv veranlagt, habe schon immer – und gern – auf verschiedensten Hochzeiten getanzt und meine vielseitigen Talente ausgebildet und gepflegt. Neben Karriere und Kinder Weiterbildung, Ausbildung und Forschung, einfach so aus Spass. Und jetzt das!
Angefangen hat alles mit diesem schrecklichen Gefühl in der Nacht. So oft bin ich aufgewacht, hatte einen erdrückenden Alb auf meiner Brust, konnte kaum mehr atmen. Geschweige denn wieder einschlafen. Die wildesten Befürchtungen jagten mir durch den Kopf. Ich analysierte Millimeter für Millimeter den vergangenen Arbeitstag, suchte nach den kleinsten Fehlern, die mir unterlaufen sein könnten.
Dann trat der Alb auch in meinen Alltag. Das Gefühl, einen folgenschweren Fehler begangen zu haben, begleitete mich in den Tag hinein und wuchs heran zur Gewissheit, bei der nächsten Handlung einen folgenschweren Fehler zu begehen. Dazu gesellte sich die feste Überzeugung, dass alle um mich herum von diesem Fehler schon wussten und nur auf eine Gelegenheit warteten, mir meine Unzulänglichkeit an den Kopf zu werfen.
Ich traute mich kaum mehr aus dem Haus, betrat mein Büro mit schlotternden Knien, musste mich zwingen, Telefonanrufe entgegen zu nehmen und brachte dann oft nicht mal meinen Namen heraus. Der Blick in die Mailbox wurde zur Mutprobe, öffentliche Veranstaltungen zum absoluten Grauen, an Geschäftssitzungen nahm ich, gelähmt vor Entsetzen, nur noch teil, wenn ich’s nicht verhindern konnte.
Und dann passierte es. Was ich wochenlang befürchtet hatte, trat ein. Ich beging einen Fehler. Keinen unwiderruflichen oder folgenschweren, aber einen, der die Kritik meiner Vorgesetzten auslöste. Und diese Kritik gab mir den Rest. Der Fehler passierte an einem Donnerstag, am Freitag erreichte mich die Kritik und am Sonntag lieferte mich mein Lebenspartner in die Notaufnahme ein. Verdacht auf Herzinfarkt.
Natürlich war es kein Herzinfarkt, der Atemnot, Herzflimmern und Taubheit in den Gliedern ausgelöst hatte. Die Ursache waren die Nerven. Der Notarzt fragte mich kurz aus, rief dann meinen direkten Vorgesetzten an und informierte ihn, dass ich am Montag meine Arbeit nicht antreten könnte. Er schrieb mich umgehend und zu hundert Prozent krank, auf unbestimmte Zeit.
Neubeginn, aber ohne nachhaltigen Erfolg
Es dauerte drei Monate, bis ich halbtags wieder arbeiten konnte und drei weitere, bis ich wieder zu hundert Prozent einsatzfähig war. Monate, in denen ich Psychopharmaka erhielt und mehrmals wöchentlich zur psychiatrischen Therapie musste. Monate, in denen ich auf schmerzhafte Art und Weise wieder lernen musste, mich und mein Leben zu schätzen und zu geniessen. Monate, in denen mich nur meine Familie und die Fachleute davon abhielten, meinem Leben ein Ende zu setzen. Weil ich überzeugt war, dass die Welt ohne mich eine bessere wäre.
Danach änderte ich mein Leben radikal. Ich richtete meine berufliche Karriere neu aus, plante Auszeiten fest ein, teilte den Tagesablauf penibel zwischen energiebrauchenden und energiegebenden Tätigkeiten auf. Wir stellten unser Haus um, richteten das Schlafzimmer anders ein, platzierten das Bett neu, schufen frische Büroräumlichkeiten. Langsam stellte sich der Schlaf wieder vermehrt ein, wenn er auch nicht immer erholsam war.
Doch trotz allen Veränderungen, so richtig frisch fühlte ich mich immer noch nicht. Noch fehlte mir die gewohnte Energie, noch tanzten meine Lebensgeister nicht, auch wenn sie nicht mehr so stark lahmten. Na ja – dachte ich und wurde von meiner Umgebung in diesem Glauben bestätigt – das ist halt wie bei einem Akku. Je älter er ist, umso geringer wird sein Ladevermögen. Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, dass ich nie mehr dieselbe Energie und Nervenstärke würde aufbringen können.
Die mehrmonatige Medikamenteneinnahme hatte mich der chemischen Produkte überdrüssig gemacht und ich wandte mich vermehrt den alternativen Heilmethoden zu. Shiatsu, Homöopathie und Gedankenkraft heilten die meisten meiner Beschwerden, die im Rahmen oder als Folge des vermeintlichen Burnouts aufgetreten waren. Doch so richtig kam ich dennoch nicht vom Fleck. Es war, also ob eine fremde Kraft mich davon abhalten würde, zu gesunden.
Und dann erinnerte ich mich plötzlich an eine ehemalige Bekannte. Einmal, in meiner Jugend, hat mich diese Frau für eine Zeit in ihrem Haus wohnen lassen und mir einiges über Pflanzenheilkunde und Fussreflexzonenmassage vermittelt. Und zwei Monate, nachdem ich mich aus heiterem Himmel das erste Mal wieder an diese Frau erinnert hatte, rief ich sie an und machte einen Termin bei ihr ab.
Stecker des DECT-Telefons raus – und schon ging's bergauf
Ich schilderte ihr meine Beschwerden. Migräne, Energielosigkeit, Erschöpfungszustände nach der Arbeit, schwere Beine, heftige Menstruationsbeschwerden, Gewichtszunahme trotz oftmaliger Appetitlosigkeit. Und bevor sie etwas anderes sagte, fragte sie mich, ob wir zuhause ein digitales Drahtlostelefon hätten.
Von da an gings Schlag auf Schlag. Messungen ergaben, dass wir eines der am schlimmsten pulsierenden DECT-Telefone hatten. Und dass unser Bett – früher total, mit der neuen Einrichtung etwas weniger – im Strahlungsbereich dieses Apparates stand. Also zogen wir umgehend den Stecker dieses Telefons. Ab der ersten Nacht schliefen mein Lebenspartner und ich besser, wachten besser erholt auf.
Also begannen wir uns über die weiteren Ursachen und Auswirkungen von Elektrosmog zu informieren. Ein Fachmann mass unser ganzes Haus aus und deckte noch weitere Strahlungsbomben auf, die wir Stück für Stück entschärften. Und Stück für Stück begann meine Gesundung. Erholsamer Schlaf, abnehmende Häufigkeit der Migräneanfälle, normal verlaufende Menstruationen, wieder erwachende Lebensgeister. Welt, Du hast mich wieder!
Vorübergehender Rückfall als Bestätigung
Doch am eindrücklichsten war für mich eine neuerliche, zeitlich begrenzte Anwesenheit in einem Elektrosturm. Von Berufes wegen verbrachte ich einen Tag in einem Kongresszentrum, welches vor allem wegen seiner technischen Einrichtungen sehr geschätzt wird. Jeder Raum verfügt über sehr leistungsstarkes WLAN für Internet, Funk-Stationen, damit korrespondierende Laptops, Beamer mit Drahtlos-Verbindungen und so weiter und so fort.
Keine zwei Stunden in diesem Zentrum – und meine Beine schmerzten höllisch. Nach einer weiteren Stunde begannen die Kopfschmerzen, anschliessend das beklemmende Herzklopfen, dann das Kribbeln überall im Körper, welches mich fast zum Wahnsinn trieb. Innert kürzester Zeit machte ich sämtliche Burnout-Symptome im Eiltempo durch, durchlebte ein Wechselbad der Gefühle und wollte vor allem nur noch eins: raus da!
Von nun an wurde der Verdacht zur Gewissheit: Der Elektrosmog trug einen massgeblichen Teil zu meinem „Burnout“ bei. Gibt es eigentlich Studien, die den Zusammenhang zwischen Burnout-Häufigkeit und Verstrahlung untersuchen? Warum nicht? Fürchten sich die Kommunikationskonzerne, dass sie ihre Produkte nicht mehr verkaufen könnten oder für die Milliarden-Schäden, welche durch Burnouts verursacht werden, verantwortlich gemacht würden?
Ich jedenfalls nehme zukünftig meine Verantwortung wahr. Ich selbst lade keine Teilnehmer mehr in Räume ein, die derart verstrahlt sind, dass sie krank machen. Ich beziehe meine Erkenntnisse zukünftig in jede private oder geschäftliche Entscheidung mit ein. Und ich empfehle Ihnen dringendst: Lassen Sie die Finger von dem ganzen Drahtlos-Kram. Ihnen und Ihrer Umwelt zuliebe.
Eine Unternehmerin, Mutter und lebensfreudige Frau
Mai 2006
(Aus der Tätigkeit der Bürgerwelle Schweiz. Die Verfasserin des Erlebnisberichtes sowie die im Bericht genannte Heilpraktikerin sind der Redaktion persönlich bekannt.)
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